Weit über 300 Ausbildungsberufe, unzählige Informationsmessen und digitale Fragebögen - Die vielfältigen Angebote und Beratungsmöglichkeiten können Jugendliche bei der Berufsorientierung nicht nur unterstützen, sondern auch schnell überfordern. Um dem entgegenzuwirken, bietet das Berufskolleg Kleve eine Plattform, bei der Jugendliche, Ausbildungsbetriebe in einen direkten Austausch und in Aktion kommen. Am Mittwoch, 2. Dezember, findet der Aktionstag Meet Work Match! erneut statt. „Wir haben im Vollzeitbereich über 800 Jugendliche, die sich dieses oder nächstes Jahr auf die Suche nach einem Ausbildungsplatz begeben; wir haben als Berufsschule aber auch das Know-how, die Ausstattung und die Kontakte zu den Betrieben, um Berufe in praktischen Workshops authentisch und didaktisch sinnvoll zu vermitteln. Auf dieser Basis ist die Idee für das besondere Konzept entstanden“, erklärt Schulleiterin Annette Vogt. Landrat Christoph Gerwers hat die Schirmherrschaft über die Veranstaltung.
In Absprache mit den teilnehmenden Betrieben aus der Region sind so genannte Beruferäume entwickelt worden, in denen Jugendlichen zu einem Beruf gebündelte Informationen erhalten: Zunächst werden sie in praxisorientierten Workshops selbst aktiv und testen typische Tätigkeiten des Berufs aus, bevor sie mit Ausbilderinnen bzw. Ausbildern und Auszubildenden ins Gespräch kommen. Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl pro Beruferaum können hier individuelle Fragen geklärt und auch Bewerbungsgespräche geführt werden. Ausbildungsbetriebe und Jugendliche profitieren von dem handlungsorientierten Modell. „In den Beruferäumen entsteht eine berufstypische, authentische Workshop-Situation, wodurch auf natürliche Weise Gespräche zwischen Jugendlichen, Ausbilderinnen und Ausbildern sowie Berufsschullehrkräften beginnen. Das macht Berufsorientierung erlebbar und schafft einen Raum für Begegnungen“, erklärt André Neyenhuys, der das Projekt leitet. Wie wichtig das Angebot ist, kann Anna Somma, Schulrätin im Schulamt des Kreises Kleve, bestätigen: „Die Jugendlichen, die noch keine Perspektive haben, benötigen viel Unterstützung. Oft besteht auch eine Hemmung darin, auf Betriebe zuzugehen. Daher ist der Aktionstag am Berufskolleg Kleve eine sinnvolle Ergänzung zu den KAoA-Elementen. Hier hat man die Chance, sich auszuprobieren, auf einfache Art Kontakte zu knüpfen und eine berufliche Perspektive zu erhalten.“ Dominik Blechschmidt, Geschäftsführer Operativ der Arbeitsagentur Wesel, bestätigt das: „„Hier werden Berufe realistisch dargestellt und erlebbar gemacht. Das führt dazu, dass Jugendliche eine bewusste Entscheidung treffen und es später nicht zu einem Ausbildungsabbruch kommt.“
Über 40 Berufe aus den Bereichen Agrarwesen, Gesundheit, Körperpflege, Pflege, Technik und Wirtschaft können am Aktionstag am Berufskolleg Kleve ausprobiert werden: von den Anlagenmechaniker/-innen, über die Bankkaufleute, Friseure oder Orthopädietechniker/-innen bis zu den Pflegefachleuten, den Elektroniker/-innen und Zahnmedizinischen Fachangestellten. Ergänzt wird dieses Angebot der Ausbildungsbetriebe durch ein umfangreiches Rahmenprogramm, bei dem Jugendliche zu den Themen Bewerbung, Auslandsaufenthalte oder alternative Ausbildungsformen bei Polizei, Bundeswehr oder zum Beispiel dem Finanzamt Beratung und Unterstützung finden. Die Teilnahme ist nicht nur für die Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs möglich; sondern steht grundsätzlich allen interessierten Jugendlichen aus dem Kreis Kleve offen. Eine Anmeldung ist ab Sonntag, 18. Oktober, hier möglich. Das Angebot kann bereits eingesehen werden. „Wir haben den Anspruch, dass Jugendliche im Kreis Kleve nicht nur einen Abschluss machen, sondern einen Anschluss finden in einem Beruf, der ihnen Spaß macht. Das Format von Meet Work Match! ist hier wunderbar geeignet und hilft Jugendlichen sicherer in ihrer Berufswahl zu werden. Es ist aber nicht nur eine große Chance für junge Menschen, sondern auch für Betriebe, sich zu präsentieren. Ich bin stolz, dass wir das im nördlichen Kreisgebiet anbieten können“, betont Landrat Christoph Gerwers.
Der Aktionstag ist für alle Bereiche relevant, selbst für die Landwirtschaft. Die Betriebe werden immer größer; die Aufgaben komplexer, wodurch Fachkräfte außerhalb der Familienbetriebe gesucht werden: „Unser Beruf ist von dem Vorurteil geprägt, dass wir nur Kühe melken und Tiere füttern. Mit wie viel Technik wir tagtäglich arbeiten, müssen wir Jugendlichen zeigen. Dafür können sich nämlich viele interessieren“, sagt Landwirt Thomas Wilmsen. Sein Auszubildender, Johan Hebben, hat an Meet Work Match! teilgenommen und ist glücklich über seine Berufswahl. „Ich habe hier viel Einblick in die Praxis erhalten. Gut fand ich, dass ich auch die Berufsschullehrer kennengelernt habe. So war der Start einfacher und ich war schon darauf vorbereitet, was mich in der Berufsschule erwartet.“
Text und Foto von Natascha Verbücheln



