Der Beruf bedarf Ideenreichtum, gestalterisches Feingefühl und handwerkliche Präzision, wie die angehenden Tischlerinnen und Tischler auch dieses Jahr mit ihren Gesellenstücken eindrucksvoll bewiesen. „Unsere Nachwuchskräfte verbinden traditionelle Handwerkskunst mit modernen Gestaltungsideen und innovativen technischen Lösungen“, betonte Lehrlingswart Theo Janßen aus Uedem. Gemeinsam mit 230 Gästen blickte er jetzt bei der Lossprechungsfeier auf die vergangenen Ausbildungsjahre zurück und feierte den erfolgreichen Abschluss der Berufsausbildung.
Lehrlingswart Martin van Aaken erinnerte daran, dass an diesem Abend die leimverschmierten Arbeitshosen gegen festliche Kleidung getauscht worden seien und die Gesichter sauber, der Stolz jedoch deutlich sichtbar sei. Er bezeichnete das Tischlerhandwerk als eine der Königsklassen des Handwerks. Tischlerinnen und Tischler reparierten und montierten nicht nur – sie erschaffen Werte, die Generationen überdauerten. Ein heute gebauter Tisch könne noch Jahrzehnte später Mittelpunkt einer Familie sein. Die jungen Handwerkerinnen und Handwerker hätten eine Ausbildung gemeistert, die handwerkliches Können, Kreativität, Verantwortungsbewusstsein und Charakter erfordere. Für den weiteren Weg wünschte er ihnen stets scharfe Stecheisen auf der Hobelbank, Kundinnen und Kunden, die hochwertige Handwerksarbeit gegenüber industrieller Massenware zu schätzen wissen, sowie die Freude an einem Beruf, der gleichermaßen kreativ wie anspruchsvoll ist. „Geht hinaus und zeigt der Welt, was echtes Handwerk ist“, gab er den neuen Gesellinnen und Gesellen mit auf den Weg.
Nach der offiziellen Lossprechung wurden die Gesellenbriefe und Prüfungszeugnisse an die Nachwuchshandwerkerinnen und -handwerker überreicht. Ein besonderer Höhepunkt war die Ehrung der beiden Innungsbesten – in diesem Jahr gingen beide Auszeichnungen an junge Frauen. Neben einer besonderen Anerkennung erhielten sie Präsente von der Tischler-Innung, der IKK Classic sowie vom Werkzeughandel van Beusekom aus Kleve. Felicitas Heiting aus Emmerich hatte ihre Ausbildung bei der Tischlerwerkstatt Anton Janssen GmbH in Kalkar verkürzt und ihre Gesellenprüfung bereits im Winter 2025/2026 erfolgreich abgelegt. Sie arbeitet derzeit in ihrem Ausbildungsbetrieb weiter und sammelt dort wertvolle praktische Erfahrungen. Im Sommer beginnt Heiting die Meisterschule in Bad Wildungen mit dem Ziel, den Meistertitel im Tischlerhandwerk zu erwerben.
Im feierlichen Rahmen der Lossprechungsfeier fand auch die Ehrung der Preisträgerinnen und Preisträger des Wettbewerbs „Die Gute Form 2026 -Tischler gestalten Ihr Gesellenstück“ statt. Das Gesellenstück bildet traditionell den Höhepunkt der dreijährigen Ausbildung. Die Auszubildenden entwickeln ihre Möbel eigenständig – von der ersten Idee über die Planung bis hin zur Fertigung. Dabei entsteht weit mehr als ein Prüfungsstück: Es sind individuelle Möbel mit Charakter. Während in der praktischen Gesellenprüfung vor allem die handwerkliche Ausführung bewertet wird, stehen beim Wettbewerb „Die Gute Form“ andere Kriterien im Mittelpunkt. Eine achtköpfige, unabhängige Jury beurteilt die Arbeiten ausschließlich nach Idee, Form, Funktion und Konstruktion. Der Wettbewerb macht damit deutlich, dass modernes Tischlerhandwerk nicht nur höchste Präzision verlangt, sondern ebenso Kreativität, Gestaltungskompetenz und innovative Lösungen. Den ersten Preis sicherte sich Runa van den Boom aus Goch-Hassum, die ihre Ausbildung bei der Gossens GmbH in Goch-Asperden absolvierte. Mit ihrem hängenden Flurmöbel „RoUNdAbout“ überzeugte sie die Jury auf ganzer Linie. Die junge Tischlerin beschreibt die Entstehung ihres Entwurfs so: „Während meiner Ausbildung haben wir immer wieder Formteile gebaut. Dabei habe ich eine Vorliebe für runde Möbel entwickelt. Mir war schnell klar, dass mein Gesellenstück diese Formensprache aufgreifen sollte. Das Besondere ist, dass sich sogar das Formteil öffnen lässt.“ Die Jury würdigte das Möbel als „außergewöhnlich in seiner Formsprache und dennoch angenehm zurückhaltend“. Besonders hervorgehoben wurden die ungewöhnliche Schubladenanordnung, der anspruchsvolle Materialeinsatz und die stimmige Gesamtwirkung. Das Fazit der Juroren: „Dezentes Understatement.“
Nach dem offiziellen Teil nutzten die Gäste bei einem reichhaltigen Snackbuffet und kühlen Getränken die Gelegenheit für zahlreiche Gespräche. In entspannter Atmosphäre wurden Erinnerungsfotos gemacht, Erfahrungen ausgetauscht und die erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen gebührend gefeiert. Die Lossprechungsfeier bot damit einen würdigen Abschluss der Ausbildungszeit und zugleich den Beginn eines neuen beruflichen Lebensabschnitts. Wir gratulieren allen Junggesellinnen und Junggesellen herzlich zu ihren hervorragenden Leistungen und wünschen ihnen für ihren weiteren beruflichen Weg viel Erfolg.
Alle Gesellenstücke sind hier zu sehen.
Text und Foto zur Verfügung gestellt von Kreishandwerkerschaft Kleve
Abteilung Technik



