Liebe, Geschlechter und Sexualität – das sind Themen, mit denen sich vor allem Jugendliche intensiv auseinandersetzen. Die interaktive Erlebnisausstellung „Selbstbestimmt bunt“ von pro familiaund der Evangelischen Jugend in Hessen bietet hierfür fundiertes Wissen zu Beziehungsmodellen, Geschlechtervielfalt oder auch Verhütungsmitteln, gibt konkrete Hilfestellungen in der Liebe und zeigt unterschiedliche Perspektiven auf zum Beispiel die Familienplanung. „Die Ausstellung ist gerade für das Berufskolleg wichtig, wo die Bandbreite an Schülerinnen und Schüler so groß ist. Ein gutes Miteinander ist da nicht selbstverständlich; man muss lernen, mit dieser großen Vielfalt umzugehen. Die Ausstellung ist hier sehr niedrigschwellig, regt zum Nachdenken an und dazu, die eigene Position zu hinterfragen“, sagt Schulseelsorger Markus van Berlo, der die Ausstellung auf dem Kirchentag entdeckt und mit Förderung durch das Landesprogramm “Teil.Sein.NRW” ans Berufskolleg geholt hat.
In sieben Räumen können sich die Besuchenden rund um die Themen Liebe, Geschlecht, Körper, Sexualität und Gewalt bilden. Die methodischen Zugänge sind vielfältig, spielerisch und handlungsorientiert: von Comics, Quiz, Videos, Statements bis zu Reflexionsübungen und Diskussionsfragen. An einigen Stellen unterstützen sich die Jugendlichen gegenseitig, indem sie z.B. für alle aufschreiben können, wie man jemanden seine Liebe gestehen kann, oder eine Postkarte mit einem motivierenden Spruch verschicken kann. Im Raum „Geschlecht“ sollen Farben, Definitionen und die Begriffe der unterschiedlichen Identitäten als Puzzleteile auf einer Magnetwand verbunden werden, während man im Raum „Körper“ an einer Modepuppe testen kann, wie verschiedene Accessoires und Kleidungsstücke die Wahrnehmung einer Person verändern. Wie man Grenzen setzt und ganz konkret auf sexistische, beleidigende oder homophobe Sprüche reagiert, zeigt der Raum „Gewalt“. Hier wird deutlich, dass bereits ein „Du bist schön“ oder „Wie behindert ist das denn?“ problematische Aussagen sein können, auf die man reagieren sollte. Ein Tipp lautet: Das Gegenüber mit Nachfragen irritieren. In den Räumen zu den Themen Liebe, Beziehung und Familienplanung finden sich mehrereQuizmaps. So kann man bei dem Quiz „Wie viel Nähe brauche ich in einer Beziehung?“ herausfinden, ob man eher Typ „Chef“, „Multitasker“ oder „Winner“ ist. Hier geht es auch darum, über was ein Paar reden sollte und welche Grenzen es gibt. “Toll ist, dass man die Ausstellung eigenständig, so wie man möchte, ausprobieren kann. Und es ist schön, dass alle die Ausstellung durch ihre Beiträge mitgestalten und weiter entwickeln können”, resümiert eine Schülerin.
Ergänzt wird die Erlebnisausstellung durch einen gemeinsamen Einstieg und Abschluss mit dem Team der Schulsozialarbeit und Schulseelsorge am Berufskolleg Kleve. An zwei Tagen sind zusätzlich verschiedene Beratungsstellen aus dem Kreis Kleve in der Schule präsent und bieten ihre Beratung an. “Für unsere Schule, bei der die Vielfalt nicht nur im “Slogan” steht, sondern einer der wichtigsten Pfeiler unserer Schulkultur ist, ist diese Ausstellung einetolle Bereicherung unseres Angebots. Ich danke Markus van Berlo sehr, dass er für uns einen Erfahrungs- und Lernraum geschaffen hat, der die Begegnung mit der Vielfalt der Geschlechter und sexuellen Orientierung nicht nur für unsere Schüler*innen und Lehrkräfte, sondern auch für unsere Besucher*innen von außen ermöglicht hat”, betont Karsten Verheyen, Stabstellenleiter Beratung und Schulkultur.
Text und Fotos von Natascha Verbücheln






