Ostbelgischer Unterrichtsminister am Berufskolleg

Der Minister für Unterricht, Ausbildung und Beschäftigung der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, Jérôme Franssen, hat am Berufskolleg Kleve einen Eindruck vom Dualen System und der Verbindung von Schule und Berufsbildung erhalten. Eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist geplant. 

Der Austausch und die Planung möglicher grenzüberschreitender Unterrichtsprojekte stand im Vordergrund des Besuchs.

Der Austausch und die Planung möglicher grenzüberschreitender Unterrichtsprojekte stand im Vordergrund des Besuchs.

Wenn sich ein Unterrichtsminister einer Gemeinschaft eines anderen Landes meldet, fühlt man sich durchaus geehrt. So ging es auch Schulleiterin Annette Vogt, als sie die Anfrage aus Ostbelgien erhielt. „Wir sind immer am Austausch mit anderen Systemen interessiert. Umso mehr freut es mich persönlich, dass unser Berufskolleg auch über Grenzen hinweg wahrgenommen wird. Der Besuch aus Ostbelgien zeigt mir, wie wichtig es ist, offen miteinander zu sprechen, voneinander zu lernen und gemeinsam Wege für eine starke berufliche Bildung zu entwickeln.“ 

Der Kontakt nach Ostbelgien entstand im vergangenen Jahr im Rahmen der Qualitätsanalyse des Berufskollegs. Das Team der Bezirksregierung wurde dabei von Vertreterinnen des Instituts für Aus- und Weiterbildung (IAWM) begleitet, das die duale Ausbildung in Ostbelgien organisiert. Geschäftsführerin Dr. Verena Greten hielt den Kontakt und besuchte nun gemeinsam mit dem Minister für Unterricht, Ausbildung und Beschäftigung der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, Jérôme Franssen, das Berufskolleg. Neben dem Austausch mit Schulleiterin Annette Vogt und ihrem Stellvertreter Thorsten Scheveling besuchte Minister Franssen Unterrichtseinheiten verschiedener Bildungsgänge. So hat er mit den angehenden Erzieherinnen und Erziehern ein Spiel ausprobiert und nach der pädagogischen Theorie nach Fröbel ausgewertet, das Teamteaching-Konzept in den Klassen der Basis- und Ausbildungsvorbereitung kennengelernt und sich mit Lehrkräften des Voll- und Teilzeitbereichs über Unterrichtsinhalte, Herausforderungen und fächerübergreifende Konzepte unterhalten. „Das Berufskolleg Kleve ist ein Beispiel dafür, wie schulische und berufliche Bildung miteinander verbunden werden können. Dieser Austausch war für uns aufschlussreich. Ich möchte mich für den freundlichen Empfang und die konstruktiven Gespräche bedanken“, sagt Franssen.

Die Organisation der beruflichen Bildung ist in Deutschland und Ostbelgien strukturell ähnlich. In beiden Fällen verbinden die Auszubildenden die praktische Arbeit im Betrieb mit dem theoretischen Unterricht in einer Berufsschule bzw. im Zentrum für Aus- und Weiterbildung. Ein Unterschied besteht darin, dass in Belgien auch viele vollschulisch organisierte Berufsausbildungen existieren. Am Berufskolleg arbeitet pädagogisches Fachpersonal, während die Lehrkräfte in der ostbelgischen Ausbildung oft aus den Betrieben kommen. Die aktuellen Herausforderungen sind in Belgien und Deutschland ähnlich: Sprachliche Heterogenität, der Einsatz und Umgang mit KI im Unterricht, schwindende mangelnde Basiskompetenzen wie zum Beispiel beim Lesen und Schreiben.

Bereits im Vorfeld des Ministerbesuchs haben sich Lehrkräfte des Zentrums für Aus- und Weiterbildung in Eupen mit den deutschen Kolleginnen und Kollegen des Berufskollegs Kleve getroffen. Im Mittelpunkt standen der fachliche Austausch sowie mögliche zukünftige Kooperationen. Besonders in den Bereichen Gastronomie, Hotellerie, Technik und Bauberufe wurden erste Ideen für gemeinsame Projekte und Praktika von Auszubildenden erarbeitet. Im Rahmen des Programms Erasmus+, für das das Berufskolleg Kleve akkreditiert ist, könnten in Zukunft Auszubildende aus Kleve in Betrieben in Ostbelgien praktische Erfahrungen sammeln oder gemeinsame Unterrichtsprojekte in belgischen oder deutschen Betrieben durchführen. „Wir haben bereits konkrete Unterrichtsprojekte besprochen und uns konstruktiv ausgetauscht. Die Kooperation ist nicht nur aufgrund der Ähnlichkeit der Systeme unkompliziert, auch die Chemie stimmt. Wir werden gut zusammenarbeiten“, ist sich Thorsten Scheveling, stellvertretender Schulleiter des Berufskolleg sicher.

Text und Fotos von Cédric Falter und Natascha Verbücheln