Ziel der Fahrt war es, sich intensiv mit der Geschichte des Nationalsozialismus, der Shoah und deren Bedeutung für unsere Gegenwart auseinanderzusetzen – und dies an den Orten, an denen Geschichte unmittelbar erfahrbar wird. Begleitet und organisiert wurde die Fahrt von der Akademie Klausenhof und finanziert durch das Bundesministerium für Bildung, das Bundesprogramm „Jugend erinnert“, den Kinder- und Jugendplan des Bundes, die Bethe Stiftung sowie die IBB-Zentralstelle. „Die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus an authentischen Orten ist durch keinen Unterricht im Klassenzimmer zu ersetzen. Die Bildungsreise hat unseren Schülerinnen und Schülern eindrücklich vor Augen geführt, welche Konsequenzen Ausgrenzung, Menschenverachtung und das Versagen demokratischer Strukturen haben können”, erklärt Christoph Zabel, Leiter der Fachschaft Politik am Berufskolleg Kleve.
Die Reise begann in Berlin mit dem Besuch der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannseekonferenz. Dort setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit der bürokratischen Organisation des Holocaust auseinander und erhielten im Rahmen einer Führung Einblicke in die Strukturen hinter den Verbrechen des NS-Regimes. Eine anschließende Spurensuche durch Berlin machte deutlich, wie präsent die Geschichte des Nationalsozialismus bis heute an vielen Orten der Hauptstadt ist.
Am folgenden Tag führte die Reise weiter nach Oświęcim in Polen. Unterschiedliche Workshops und ein Filmabend vertieften den historischen Kontext und bereitete inhaltlich auf den folgenden Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau vor, der für viele Teilnehmende einen besonders eindrücklichen Moment der Reise darstellte. Im Rahmen einer mehrstündigen Führung setzten sich die Schülerinnen und Schüler verschiedenster Bildungsgänge mit den Lebensbedingungen der Häftlinge und den Strukturen des Terrors auseinander. Am Nachmittag nahmen die Schülerinnen und Schüler an Vertiefungsangeboten im International Youth Meeting Centre teil. In Workshops der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Auschwitz entstanden Räume für Gespräche über Kinderbiografien, künstlerische Zeugnisse und Erinnerungskultur. Besonders bewegend waren für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer die persönlichen Schicksale der Opfer. „Die Bilder der Juden, als sie noch gelebt haben, haben mir deutlich gemacht, dass die Opfer genauso gelebt haben wie ich“, schilderte ein Schüler seine Eindrücke. Eine andere Teilnehmerin berichtete: „Die abgeschnittenen Haare waren erschreckend und die Kinderkleidung zu sehen, brachte mich zum Weinen.“
Auch das Lager Auschwitz II – Birkenau, dem zentralen Ort der Massenvernichtung, stand auf dem Programm der Bildungsreise. Der Kontrast zwischen der friedlichen Umgebung und dem Ort des Massenmords hinterließ bei vielen Jugendlichen tiefe Betroffenheit. In gemeinsamen Gesprächen wurden Eindrücke, Fragen und persönliche Gedanken reflektiert. Nach einer gemeinsamen Nachbereitung führte die Reise weiter nach Krakau, wo die Gruppe den Tag mit einem gemeinsamen Abendessen in einem traditionellen jüdischen Restaurant ausklingen ließ – ein bewusster Kontrast zu den vorherigen Tagen. Die Begegnung mit der jüdischen Kultur lenkte den Blick auf die Bedeutung von Menschenrechten, Vielfalt und demokratischem Zusammenleben. Am letzten Tag der Reise lernten die Teilnehmenden bei einer Stadtführung Krakau kennen – eine Stadt mit reicher Geschichte, kultureller Vielfalt und europäischer Bedeutung.
Die Bildungsreise verband historisches Lernen, persönliche Begegnung und gemeinsame Reflexion. Sie bot den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, Verantwortung für Erinnerung zu übernehmen und sich mit Fragen von Menschlichkeit, Demokratie und Zivilcourage auseinanderzusetzen. “Gerade in einer Zeit, in der demokratische Werte nicht selbstverständlich erscheinen, ist es von zentraler Bedeutung, junge Menschen zu befähigen, Haltung zu zeigen, Empathie zu entwickeln und sich aktiv für ein respektvolles Miteinander einzusetzen. Diese Reise war daher weit mehr als eine Studienfahrt. Sie war ein wichtiger Beitrag zur politischen Bildung und zur Stärkung von Zivilcourage“, resümieren Jan Feldmann, Leiter der Abteilung Gesundheit & Ernährung, Christoph Zabel, Katrin Willutzki und Philipp Schulte-Mattler, die als Politik-Lehrkräfte die Reisegruppe begleiteten.
Text von Akademie Klausenhof, Fotos von Berufskolleg Kleve










