Leitbild mit Leben gefüllt

Auf einem großen Markt der Möglichkeiten haben alle Bildungsgänge in der letzten Schulwoche ihre Projekte vorgestellt, die im Rahmen des schulweiten Leitbildes entstanden sind. Es kam zu spannenden Begegnungen und interessantem Austausch. 

Kurz vor den Sommerferien ist die gesamte Schulgemeinschaft zusammengekommen, um die gemeinsame Arbeit am Leitbild der Schule zu würdigen.

Kurz vor den Sommerferien ist die gesamte Schulgemeinschaft zusammengekommen, um die gemeinsame Arbeit am Leitbild der Schule zu würdigen.

Im Jahr 2021 haben wir ein neues Leitbild als Leitlinie unserer Schulprogrammarbeit verabschiedet, das zuvor mit allen am Schulleben Beteiligten entwickelt worden war. Das Leitbild behandelt die Themen Unterricht, Beruflichkeit, Externe Kooperation, Interne Zusammenarbeit, Gesunde Schule, Gesellschaftliche Verantwortung und Schulgemeinschaft, für die Kernaussagen und Leitziele formuliert wurden. Da aber nur durch eine Konkretisierung echter Maßnahmen das Leitbild lebendig bleibt, haben wir im Schuljahr 2024/25 erstmals das Thema stärker in die Bildungsgangarbeit integriert und die Schülerschaft aktiv daran beteiligt, Projekte zur Förderung der im Leitbild formulierten Leitziele zu entwickeln und durchzuführen. Die Ergebnisse dieser Projektarbeiten sind dann am vorletzten Schultag vor den Sommerferien in einem großen Markt der Möglichkeiten der Schulgemeinschaft präsentiert worden. Es entstand ein geselliger, kommunikativer Austausch untereinander. In der anschließenden Evaluation gaben 70 Prozent der Klassensprecherinnen und Klassensprecher an, dass der Tag zur Auseinandersetzung mit dem Leitbild der Schule beigetragen habe und so ihre Arbeit sehr gut gewürdigt worden sei. Auch das Feedback aus dem Kollegium fiel positiv aus: So gaben 80 % an, dass der Markt der Möglichkeiten den Austausch unter den Bildungsgängen und Abteilungen sehr gut gefördert habe; mehr als die Hälfte nahm Impulse für die eigene Arbeit mit und wünschte sich eine Wiederholung des Tages, um die Leitbildarbeit fest in der Bildungsarbeit zu integrieren. „Das war ein gelungener Tag zum Ende des Schuljahres. Wir haben viele tolle Arbeiten und Ergebnisse aus der Leitbildarbeit der einzelnen Bildungsgänge gesehen und erleben dürfen. Lernende und Lehrkräfte kamen dabei übergreifend in lockerer Atmosphäre in einen regen Austausch. Das war schön zu sehen“, sagte Schulleiterin Annette Vogt. 

 

Es folgt eine kleine Übersicht der Projekte der Abteilungen, die im Rahmen des Leitbildtages vorgestellt wurden: Die Abteilung Basis- und Ausbildungsvorbereitung hat ihre kreativen Ansätze zur Förderung der Beruflichkeit und der gesellschaftlichen Verantwortung vorgestellt: In den Internationalen Förderklassen wurde über ein Theaterprojekt und die Betriebspraktika berichtet. Außerdem haben die Schülerinnen und Schüler Flaggen ihrer Heimatländer angefertigt und diese ausgestellt. Das Programm zeigte insgesamt die bunte Vielfalt der Internationalen Förderklassen, welches wunderbar auf die Vielfalt des Berufskollegs übertragbar war.

Die Klassen mit Betriebspraktikum hatte einen Infostand zur Praktikumsbetreuung angeboten. Dabei wurden unter anderem die Umsetzung und Ausgestaltung der betrieblichen Lernaufgaben sowie zahlreiche Materialien rund um die Praktikumsbetreuung und der damit verbundenen Verwaltung angeboten. Hauptzielgruppe war dabei das Kollegium und Bildungsgangleitungen, welche in den vergangenen Jahren aufgrund der neuen Verwaltungsvorschrift den Ausbau und die Integration von Praktika in ihren Bildungsgängen ebenfalls vorantreiben mussten. Die Maßnahmen-Klassen haben unter anderem Hochbeete aus alten LKW-Planken gebaut. Das Thema Nachhaltigkeit wurde im Vorfeld im Politikunterricht behandelt, dazu Texte im Deutschunterricht verfasst, die dann im EDV-Unterricht digitalisiert wurden, um sie – in Kombination mit zahlreichen Bildern – auf Banner zu drucken.

 

Auch die Abteilung Agrarwirtschaft hat die Beruflichkeit in den Fokus ihrer Leitbildarbeit gesetzt - mit dem Ziel, berufliche Kompetenzen durch praktisches Handeln und eine engere Verzahnung mit Betrieben zu fördern. In diesem Zuge trafen sich die Lehrkräfte im Frühjahr gemeinsam mit den beiden landwirtschaftlichen Oberstufenklassen auf dem landwirtschaftlichen Betrieb Oliver Bolwerk in Emmerich. Dieser Besuch wurde am Leitbildtag anhand von Fotos und Erlebnisberichten dokumentiert: An fünf verschiedenen Stationen vertieften die Schülerinnen und Schüler am Projekttag ihre Kenntnisse, die sie im Rahmen der Ausbildung im Betrieb und im Unterricht bereits erworben hatten. So bereiteten sie zum Beispiel eine Dreipunkt-Anbau-Drillmaschine vor, kalkulierten die Verfahrenskosten einer Rollhacke und erörterten die Anpassung der Fruchtfolge im Betrieb. Zudem wurde auch eine Grünlandfläche mit der Einordnung der Nutzungsintensität und der Narbendichte zur Ableitung einer möglichen Grünlandsanierung beurteilt. Dieser Tag mit einem intensiven Einblick in den Betrieb Bolwerk war für alle Beteiligten ein sehr gelungener Tag – eine Fortführung wurde seitens der Auszubildenden für die kommende Oberstufe empfohlen.

 

In der Abteilung Gesundheit & Ernährung wählten die Bildungsgänge sehr unterschiedliche Schwerpunktthemen aus, mit denen sie sich im Schuljahr beschäftigten. So lag der Fokus in der Berufsschule vor allem auf dem Thema Nachhaltigkeit. Die Auszubildenden suchten zum Beispiel nach Möglichkeiten, im Friseuralltag oder beim Housekeeping die Umwelt zu schützen und nachhaltig zu arbeiten. Die Berufsfachschulen förderten die gesellschaftliche Verantwortung ihrer Lernenden durch diverse Projekttage zum Thema Antisemitismus, Verschwörungstheorien im Internet, Diskriminierung oder in Form eines sozialen Stadtrundganges. 

Das Berufliche Gymnasium Gesundheit legte unter anderem einen Schwerpunkt auf das Thema Unterricht: So gab es in der Unterstufe ein Podcast-Projekt, um die digitalen Schlüsselkompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu fördern. Die Mittelstufe setzten sich mit verschiedenen Gesundheitsberufen auseinander und stellten ihre Ergebnisse in einem kreativen Spiel um: In Schuhkartons versteckten sie typische Gegenstände verschiedener Berufe, die dann mittels Tasten erraten werden müssen. Die Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums Freizeitsportleiter/in dagegen nutzten ihre Kompetenzen, um den angehenden Kinderpflegerinnen und Kinderpflegern Workshops zur Entspannung, Gesunder Rücken und Life Kinetik anzubieten. Dabei konnten sie gleichzeitig ihre didaktischen und methodischen Fähigkeiten bei der Anleitung von Gruppen üben. 

Bei der gemeinsamen Durchsicht der Leitziele haben die Schülerinnen und Schüler der Höheren Berufsfachschule Gesundheit und Soziales den Wunsch geäußert, besser auf den Einstieg ins Erwachsensein vorbereitet zu werden. So stand die letzte Schulwoche vor den Ferien im Zeichen der Zukunft: Die Lernenden setzten sich in Workshops mit den Themen Berufseinstieg, Steuern, Finanzen und Wohnen auseinander und erhielten praktische Tipps für den Start ins Erwachsensein. Gleichzeitig dienten diverse Teambuilding-Spiele dazu, die Schülerinnen und Schüler auf eine professionelle Zusammenarbeit in Teams vorzubereiten. 

 

Auch die Abteilung Technik veranschaulichte mit zahlreichen Aktionen, Angeboten und Präsentationen die Umsetzung des Leitbildes. So konnten Interessierte ihr handwerkliches Geschick und ihre Feinmotorik beispielsweise im Rahmen der Berufsfachschule 1 für Ingenieurtechnik am „Heißen Draht“ erproben. Die eigenständige Konstruktion sowie Montage der hergestellten Modelle bot dabei die Möglichkeit, die Bereiche Bau-, Elektro-, Metall- und Holztechnik wirkungsvoll zu vereinen. 

Die selbstgebauten und einsatzbereiten Infento-Fahrzeuge sorgten an dieser Stelle nicht nur aufgrund der baulichen und technischen Ausführung, sondern auch aufgrund der individuellen sowie detailgetreuen Modifizierung durch Holzkennzeichen und der realitätsgetreuen Beleuchtung für Aufsehen und Begeisterung. Große Beachtung fand ebenso „das Wahrzeichen in Pastell“.  Die Auszubildenden im 2. Lehrjahr des Ausbildungsberufes Maler/-in und Lackierer/-in präsentierten eindrucksvoll den Weg von der Ideenfindung über die Miniaturmodellentwürfe bis hin zur Neugestaltung der fast acht Meter hohen Metallskulptur auf dem Schulhof, die das Erscheinungsbild des Schulstandortes nun in Pastelltönen prägt.

Von den informativen Erklärvideos der Auszubildenden des Ausbildungsberufes Kraftfahrzeugmachatroniker/-in konnte man beispielsweise allerhand praktische Alltagstipps zu den Themen Starterbatterie, Relaisprüfung oder Raddrehzahlsensor erhalten. Die kreative Umsetzung und Gestaltung sorgte dabei für Aufmerksamkeit und Interesse auf allen Seiten.

Während Interessierte begeistert mit den selbstgebauten Infento-Fahrzeugen die Gänge und Flure des Technik-Bereiches befuhren und dabei ausgiebig Lenkung und Bremsen testeten, führte der Rundgang des Weiteren zu den Mechatronikerinnen und Mechatronikern. Die Auszubildenden informierten über den Messebesuch der „Fachmesse Elektrotechnik“ und stellten dabei eindrucksstark ihr Fachwissen unter Beweis.

Von der Schülerjury des Leitbildtages erhielt das Projekt „Solar@venture auf Lanzarote“ eine besondere Auszeichnung. Die Auszubildenden des 3. Lehrjahres der Elektronikerinnen bzw. Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik berichteten mitreißend von ihrem internationalen Kooperationsprojekt im Bereich erneuerbare Energien. In Zusammenarbeit mit der berufsbildenden Schule Secondary School Zonzamas und deren Lernenden wurden auf dem Schulgelände drei Photovoltaikanlagen auf zwei Dächern installiert. 

 

Die Projektarbeiten in der Abteilung Sozialwesen im Rahmen der Leitbildarbeit waren umfangreich: So wurde der abteilungsweite Aktionstag zu Neujahrsbräuchen weltweit, bei dem die Vielfalt kultureller Traditionen im Fokus stand präsentiert. An diesem Aktionstag hatten sich Schülerinnen und Schüler der Abteilung mit liebevoll gestalteten Beiträgen zu Feierlichkeiten aus unterschiedlichen Ländern auseinandergesetzt und setzten damit das Leitziel der Schulgemeinschaft in den Mittelpunkt – ein Zeichen für gelebte Offenheit, Toleranz und Miteinander. Die Berufsfachschule für Kinderpflege war zusätzlich mit einer Präsentation vertreten. Gemeinsam mit Bildungsgängen aus der Abteilung Gesundheit und Ernährung stellten sie Ergebnisse einer fächerübergreifenden Projektwoche vor. Unter dem Leitgedanken gesund und bewusst leben entwickelten die Teilnehmenden kreative Aktionen und Informationsangebote rund um Ernährung, Bewegung und mentale Gesundheit. Die enge Zusammenarbeit zwischen den Bildungsgängen zeigte erneut, wie stark fachliche Inhalte mit den Werten der Schule verbunden werden können. Der Leitbildtag bot somit nicht nur einen Einblick in die pädagogische Arbeit der Abteilung, sondern spiegelte auch das Engagement und die Werteorientierung der gesamten Schulgemeinschaft wider.

 

Es scheppert in der Höheren Handelsschule. Vier leere Konservendosen fegt Anastasia mit gekonntem Wurf vom Tisch. Traditionell steht am vorletzten Schultag vor den Sommerferien Sport auf dem Stundenplan. Das Fußballturnier wurde im Laufe der Jahre um einige Disziplinen erweitert. In Teams wetteifern die Klassen jetzt auch beim Seilchenspringen, Frisbeeziel- und Dosenwerfen um den Sieg. 

Die Stärkung der Schulgemeinschaft steht auch in den Berufsfachschulen I und II der Abteilung Wirtschaft und Verwaltung im Mittelpunkt. Im Klassenraum hängt eine große Weltkarte, auf der die Schülerinnen und Schüler ihre Wurzeln markiert haben. Sie kommen aus Afghanistan, dem Irak, aus Italien, Kasachstan, Kolumbien, von den Philippinen, aus Rumänien, Syrien und der Ukraine. Gemeinsam lernen sie hier – nicht nur in der Schule, sondern auch bei Ausflügen wie in diesem Jahr zum Gasometer in Oberhausen. An diesen erinnern die Bilder vom „Planet Ozean“, mit denen die Schülerinnen und Schüler ihren Flur gestaltet haben.

Fotos vom Wasser gibt es auch am Stand der Beruflichen Gymnasien. Hier präsentieren Emily und Julia das Erasmus-Projekt, mit dem in den letzten Jahren Schülerinnen und Schüler zu Praktika in Dänemark, Irland, Spanien, Österreich und auf Malta und Kreta unterwegs waren. Selbstständig seien sie dabei geworden und auch selbstbewusster. Denn es kostet am Anfang schon Überwindung, in einem fremden Land nicht Urlaub zu machen, sondern den Arbeitsalltag zu entdecken.

Veranstaltungen zu planen und gestalten gehört zu den Zielen des Differenzierungskurses „BKK Eventful“, der im Foyer frische Waffeln und exotische Durstlöscher verkauft. Franziska berichtet, dass sie in diesem Jahr einen Weihnachtsmarkt in der Schule ins Leben gerufen haben und auch beim Fastenbrechen Iftar dabei waren. Dann fasst sie zusammen: „Damit sind wir ja schon ein Teil unseres Leitbildes.“

Die kaufmännische Berufsschule in Goch legt den Schwerpunkt eher auf die Beruflichkeit. Nicht nur in der Fachschule für Wirtschaft wurden im Unterrichtskontext Projekte durchgeführt und damit direkt ein Nutzen für die beteiligten Unternehmen erzielt. Auch die Kaufleute für Büromanagement lernen die Planung und Umsetzung eigener Projekte. Stellvertretend für die vielen Ausbildungsberufe in Goch seien noch die Steuerfachangestellten und die Fachkräfte für Lagerlogistik genannt. Die Steuerfachangestellten arbeiten online mit dem Programm, das die Mehrzahl der Steuerkanzleien in der Praxis nutzt. Im Bereich der Lagerlogistik wird neben der Beruflichkeit ebenso Wert gelegt auf das Orientieren an gemeinsamen Werten. 

 

Text und Fotos von Walbert Bok, Stefanie Daams, Thorsten Daams, Pia Hünnekes, Johannes Menrath, Natascha Verbücheln und Dominik Welbers