Seinen Schufa-Status prüfen, sich für eine Berufsunfähigkeit absichern oder Abzüge der Gehaltsabrechnung entnehmen – das sind zugegeben nicht die spannendsten Themen. Doch für einen gelungenen Start in die Ausbildung und zum Beispiel die erste eigene Wohnung sind sie elementar. Das ist auch den Lernenden der Höheren Berufsfachschule Gesundheit & Soziales sowie der Berufsfachschule Kinderpflege bewusst. Zusammen mit den Lehrkräften haben sie sich daher im Schuljahr 2024/25 mit dem Leitziel „Beruflichkeit“ auseinandergesetzt. In der letzten Schulwoche gab es nun einen Projekttag mit Workshops zu den Themen Steuern, Finanzen, Wohnen und Berufsstart. Der sogenannte Zukunftstag wird von der Initiative für wirtschaftliche Jugendbildung organisiert und richtet sich an junge Erwachsene, die kurz vor dem Berufsstart stehen. Dabei werden lokale Expertinnen und Experten in die Schule geholt, um in 70 Minuten ausgewählte Informationen und konkrete Tipps zu vermitteln, die einen Unterschied für eine gelungenen Start in die Zukunft sein können. „Der Zukunftstag bietet allen Schülerinnen und Schülern aus erster Hand eine hervorragende Unterstützung nach ihrer Schullaufbahn – von Experten aus der Praxis“, sagt Philipp Schulte-Mattler, Bildungsgangleiter der Höheren Berufsfachschule Gesundheit & Soziales.
Um in die berufliche Zukunft starten zu können, müssen junge Erwachsene zunächst bei Bewerbungsgesprächen für Ausbildungsplätze, Praktika oder Jobs überzeugen. Darauf sollte man sich vorbereiten, da die Fragen, die dort gestellt werden, nicht immer spontan zu beantworten sind, weiß Claudia Keilhauer von BAUEN+LEBEN: „Kenne dich selbst, um andere zu überzeugen.“ Das beinhalte, dass man sowohl echte Schwächen benennen und eigene Stärken mit konkreten Beispielen belegen könne. Ihr Tipp für die Schülerinnen und Schüler: „Bereitet euch speziell auf das Berufsfeld vor, das euch interessiert, und prüft, welche Kompetenzen hier besonders gefragt sind.“ Im Workshop haben die Lernenden sich selbst reflektiert und konkrete Formulierungen geübt.
Wie komplex eine Gehaltsabrechnung sein kann, vermittelte der Workshop zum Thema Steuern. Anhand einer Muster-Rechnung sollten die Lernenden herausfinden, wie hoch die Abzüge sind und wofür sie sind, was gar nicht so einfach ist, da das Schreiben viele Zahlen, Nummern und Abkürzungen bereithält. Um Fehler zu entdecken und die Steuerlast im Blick zu haben, sei es aber wichtig, hier durchzublicken, betonte Steuerberater Joachim Ernst von der BEStax GmbH Steuerberatungsgesellschaft. An alltagsnahen Beispielen versuchte Ernst, den Lernenden das Thema Steuern zu veranschaulichen: Zahlt man bei einem Spotify-Abo Steuern? Ab wann sollte man eine Steuererklärung abgeben? Wieso ist die Krankenversicherung hier relevant? Wie viel Geld darf man bei einem Minijob verdienen?
„Viele junge Erwachsene verlassen sich darauf das, was andere erzählen, nehmen unstrukturiert Kredite auf oder glauben, dass sie später immer noch Zeit haben zu sparen“, zählt Jos Hennemann von der Gocher Filiale der Deutschen Bank die größten Fehler im Bereich Finanzen auf. Dabei sei es wichtig, von Anfang an im Rahmen der eigenen Möglichkeiten mit seinem Geld zu haushalten und passende Verträge zu schließen. So seien große Wünsche wie ein Eigenheim, ein eigenes Auto, die Familiengründung dann auch realisierbar. Sein ultimativer Tipp für alle, die schon etwas mehr verdienen: „Etwa 50 Prozent der Einnahmen sollte man für den eigenen Konsum einplanen und die andere Hälfte sparen.“ Welche Möglichkeiten es da gibt und was die Vor- und Nachteile sind, haben sich die Lernenden dann zusammen mit seiner Hilfe erarbeitet.
In Kleve und Umgebung eine günstige Wohnung zu finden, ist nicht einfach. Rund 100 Bewerbungen landen pro Wohnung auf dem Schreibtisch von Magnus Losch, Geschäftsführer von Immobilien Losch aus Kleve. Da ist der erste Eindruck wichtig. „Man sollte sich mit seinem Profil auf den Plattformen Mühe geben und am besten direkt einen Schufa-Nachweis mitschicken“, rät Losch. Das erhöhe die Wahrscheinlichkeit, überhaupt zu einer Besichtigung eingeladen zu werden. Ist man eingeladen, gibt es viele Fallstricke: So sollte man nicht unbedingt in Jogginghose erscheinen, eine Bewerbungsmappe mit Arbeits- und Schufa-Nachweisen mitbringen und sich mit den Details der Wohnung auseinandergesetzt haben, um gezielt Fragen stellen zu können. Losch rät, sich vor der Wohnungssuche Gedanken zu machen, welche Wohnung überhaupt zu den eigenen Bedürfnissen passt: Wie viele Zimmer benötigt man? Braucht man einen Keller oder ist ein Stellplatz notwendig? Das beschleunige die Suche und vermeide häufige Umzüge. Für das Anschreiben und die Bewerbungsmappe empfiehlt Losch KI-Apps zu nutzen.
Am Ende des Tages hielten die Lernenden nicht nur übersichtliche, verständliche Handouts in der Hand, sondern gingen auch mit dem Gefühl nach Hause, etwas sicherer in die eigene Zukunft zu starten.
Text und Fotos von Natascha Verbücheln
Abteilungen Gesundheit & Ernährung und Sozialwesen





