Unterricht mal ganz anders...

Schülerinnen und Schüler der Abteilung Sozialwesen hatten die Möglichkeit, ein neues und innovatives Unterrichtskonzept kennenzulernen, welches einen völlig neuartigen Zugang zu verschiedenen Unterrichtsinhalten ermöglicht: Der mobile Escape-Room „Der Löwe von Münster“ war zu Gast am Schulstandort in Bedburg-Hau.

Wie bei gewöhnlichen Escape-Rooms müssen auch beim „Der Löwe von Münster“ viele kleine Rätsel gelöst werden, um die Predigt des Kardinals von Galen zu finden.

Wie bei gewöhnlichen Escape-Rooms müssen auch beim „Der Löwe von Münster“ viele kleine Rätsel gelöst werden, um die Predigt des Kardinals von Galen zu finden.

Den thematischen Rahmen des Escape-Rooms bildet hierbei die historische Figur des Kardinals von Galen, welcher sich im Jahr 1941 als Bischof des Bistums Münster in seinen Predigten gegen das nationalsozialistische Euthanasieprogramm stellte und für dieses couragierte Verhalten den Spitznamen „Löwe von Münster“ erhielt.

Die jeweiligen Schülergruppen hatten im Escape-Room die Aufgabe, innerhalb einer Stunde Kopien der regimekritischen Predigten zu finden, welche als Flugblätter die deutsche Bevölkerung über die nationalsozialistischen Gräueltaten aufklären sollten. Diese Verbrechen kosteten u.a. auch ca. 3000 Patienten der heutigen LVR-Klinik Bedburg-Hau das Leben, welche aufgrund körperlicher oder geistiger Beeinträchtigungen von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Bei erfolgreichem Auffinden der Predigtkopien stellte sich den Schülerinnen und Schüler abschließend die Frage, ob sie die Predigten verbreiten und sich hiermit selbst in Gefahr bringen oder die Predigten lieber zum Selbstschutz vernichten sollten.

Somit verband die spielerische Beschäftigung mit der historischen Figur des „Löwen von Münster“ verschiedene Unterrichtsinhalte. Sowohl die Beschäftigung mit den NS-Verbrechen und dem historischen Kontext der damaligen Zeit als auch die Frage nach individueller gesellschaftlicher Verantwortung und heutigen Möglichkeiten des Zeigens von Zivilcourage waren als curriculare Anknüfungspunkte gegeben. Lehrer Jan Feldmann, welcher den Besuch des „Löwen von Münster“ initiiert und organisiert hatte, hob besonders diesen Punkt hervor: „Kardinal von Galen zeigte Zivilcourage ohne Rücksicht auf Eigeninteressen. Er wurde zum Sprachrohr der Schwachen, die ansonsten keine Fürsprecher hatten. Daher kann er als besonderes historisches Vorbild für unsere Schülerinnen und Schüler der Abteilung Sozialwesen dienen, da diese als angehende Fachkräfte im sozialen Bereich ebenfalls die Interessen ihrer Klienten vertreten und zum Sprachrohr von Kindern, Kranken und Alten in unserer Gesellschaft werden.“ Auch der historische Kontext sei von hoher Relevanz betonte Abteilungsleiter Manfred Küper, da hierdurch im späteren Berufsalltag die Erzählungen sowie Erfahrungen älterer Klienten eingeordnet und nachvollzogen werden könnten.

Das abschließende Urteil aller beteiligten Schülerinnen und Schüler sowie ihrer Lehrkräfte fiel eindeutig aus. Der von Matthias Hecking und Winfried Hachmann entwickelte Raum, welcher mit originalen Requisiten aus der damaligen Zeit eingerichtet ist, sei eine große Bereicherung für den Unterricht gewesen und das Konzept lade aufgrund der absoluten Stimmigkeit zu einer Wiederholung ein. Daher finden auch bereits Überlegungen statt, inwiefern der „Löwe von Münster“ an den Hauptstandort eingeladen werden könne, um auch den Schülerinnen und Schüler anderer Abteilung die Möglichkeit dieser Zeitreise mit verbundenem Perspektivwechsel zu geben und ihren Unterricht mal ganz anders zu erleben.

Text und Fotos von Johannes Menrath 

Abteilung Sozialwesen