Orientierung für die eigene Zukunft

60 Bildungsgänge, sechs Abteilungen, über 200 Gesprächspartner in 30 Räumen – Bei unserem Informationsnachmittag haben die Besucher innerhalb von drei Stunden jede Menge erkunden können. Neben der Präsentation von Unterrichtsprojekten stand vor allem die individuelle Beratung im Vordergrund, damit die eigenen Zukunftspläne auch bestmöglich erreicht werden.

Orientierung für die eigenen Zukunft – darauf lag der Fokus unseres Informationsnachmittags.

Orientierung für die eigenen Zukunft – darauf lag der Fokus unseres Informationsnachmittags.

Ausbildung oder Berufstätigkeit? Mittlerer Schulabschluss oder Abitur plus Studium? Etwas Handwerkliches oder mit Menschen arbeiten? Mit dem Wechsel in die Sekundarstufe II sind viele Jugendliche vor Entscheidungen gestellt, die die Weichen stellen für ihre (berufliche) Zukunft. Am Berufskolleg Kleve können Schülerinnen und Schüler jeden Schulabschluss – vom Hauptschulabschluss bis zur Allgemeinen Hochschulreife – in einem berufsbezogenen Bereich erwerben. Dabei bauen sie parallel zum Abschluss berufsbezogene Kompetenzen auf, die ihnen das Lernen in der Schule und später den Einstieg ins Berufsleben oder die Ausbildung erleichtern. Um hier den passenden Bildungsgang auszuwählen, konnten sich jetzt alle Interessierte beim Infotag von Lehrern, Schülern sowie Mitarbeitern der Agentur für Arbeit beraten lassen. 

Neben den Informationen über Zugangsvoraussetzungen, Inhalte und Perspektiven haben die sechs Abteilungen den Besuchern auch einige Einblicke in den Unterricht gewährt: 

In den Räumen der Basis- und Ausbildungsvorbereitung wurde unser Schulmotto „Unsere Vielfalt, Ihre Chance“ besonders deutlich: Schülerinnen und Schüler unterschiedlichster Heimatländer – von Island über Ghana oder Afghanistan bis zu Ungarn, Kosovo und natürlich Deutschland – präsentierten auf bunten Plakaten ihre Erlebnisse während ihrer Praktika, die sie unterrichtsbegleitend an zwei Tagen die Woche in Betrieben des Kreises Kleve absolvieren. In einem Jahr werden sie so auf eine Berufsausbildung vorbereitet und können parallel einen Schulabschluss erlangen.

Obwohl sich Berufsschüler nicht direkt bei der Berufsschule anmelden müssen, kommen immer wieder interessiere Jugendliche zum Infotag, um sich über Ausbildungsberufe und die schulischen Anforderungen während der Ausbildung zu informieren. So haben die Kolleginnen und Kollegen der Abteilung Agrarwirtschaft auch in diesem Jahr mit einigen Schülerinnen und Schülern gesprochen, die sich für die Ausbildung zur Landwirtin bzw. zum Landwirt oder zur Fachkraft für Agrarservice wirklich interessierten und hinsichtlich des Prozedere der Ausbildung gezielt Fragen gestellt haben. Neben der klassischen Vollausbildung stellt natürlich auch die Werkerausbildung in der Landwirtschaft einen interessanten Aspekt dar, der für Schülerinnen und Schüler mit Reha-Status eine gute Perspektive in der Landwirtschaft bietet.

Die Abteilung Gesundheit & Ernährung bietet die Chance alle Schulabschlüsse mit beruflicher Akzentuierung im Gesundheitsbereich zu absolvieren.  Mit kleinen Tests und kompetenter Beratung konnten Interessierte bei den Berufsfachschulen I und II ihre Allgemeinbildung testen und ihre Chancen auf den Hauptschul- und den Mittleren Schulabschluss abwägen. Auch die Berufsschulen der Abteilung Gesundheit präsentierten das Können ihrer Schülerinnen und Schüler: Unter der professionellen Anleitung von Guiseppe Ramirez vom Nierswalder Landhaus wurden den Besuchern flambierte Crêpes angeboten.  Die Friseure luden zum Workshop „Die etwas andere Locke“ ein, und zeigten, wie man mit wenig Aufwand ganz außergewöhnliche Frisuren zaubern kann. Auch die Angebote zur Nagelgestaltung, den Flechtfrisuren und zu Make-up waren sehr gefragt. Die zweijährige Berufsfachschule Gesundheit sowie die Beruflichen Gymnasien Gesundheit und Freizeitsportleiter/in versprechen ihren künftigen Schülern einen Neuanfang mit berufsbezogenen Fächern, die sowohl auf dem Ausbildungsmarkt als auch im Studium einen klaren Wettbewerbsvorteil darstellen. Der Berufswahlpass der Beruflichen Gymnasien gewährleistet eine optimale Orientierung über den weiteren beruflichen Werdegang nach dem Abitur.

Schülerinnen und Schüler der verschiedenen Bildungsgänge der Abteilung Technik haben Unterrichtsinhalte präsentiert: von technische Versuchsanordnungen zu den Grundlagen der Messtechnik und dem Löten nach Schaltplänen, über die verblüffende Zusammenarbeit zwischen Elektromechanik und Sensortechnik mit LEGO- Mindstorms oder den Einsatz von KUKA-Industrierobotern, bis zur beeindruckenden Visualisierung von selbst geplanten Gebäuden im 360°-Format mittels CAD-Technik. Auch ein Tetris im Wohnzimmerformat war aufgebaut: Ein Ikea-Beistelltisch wurde „gehackt“ und mit einem Display aus interaktiven LEDs ausgestattet – Die Schülerinnen und Schüler zeigten, wie sie mittels selbstgeschriebener Programme in JavaScript, HTML und CSS darauf Tetris spielen können. Auch die so genannten Ozobots, Mini-Roboter im Überraschungsei-Format, sind von Schülerinnen und Schülern mit iPads im Unterricht programmiert worden. Jetzt lieferten sie sich Wettrennen in komplexen Labyrinthen lieferten und tanzten synchron auf dem Tisch Tango. In der Abteilung Technik findet aber nicht nur der Fachpraxisunterricht techniknah statt, auch in den sprachlichen Fächern wird mit digitalen Medien und iPads gelernt. 

„Ich kann mir gut vorstellen, später mit Menschen zu arbeiten.“ Mit dieser Zielsetzung nahmen am Infotag viele Jugendliche und Erwachsene an den Informations- und Beratungsangeboten der Abteilung Sozialwesen teil. In der Fachoberschule Gesundheit und Soziales ermöglichten fünf Schülerinnen und Schüler Einblicke in diesen durch die Kombination aus Praktikum und Schule abwechslungsreichen Weg zur Fachhochschulreife. Diejenigen, die sich für die Ausbildungsberufe der Sozialassistenten bzw. Kinderpflege interessierten, erhielten umfassende individuelle Beratungen zu den zweijährigen Ausbildungen in den Berufsfachschulen der Abteilung. In der Fachschule Sozialpädagogik fand vor allem die praxisintegrierte Erzieherausbildung (PIA) eine große Aufmerksamkeit. Diese ermöglicht es, ebenso wie die parallel angebotene vollzeitschulische Ausbildung, in einer Kombination aus Lehre in Ausbildungsbetrieb sowie Schule, den Abschluss zur staatlich anerkannten Erzieherin bzw. zum staatlich anerkannten Erzieher zu erwerben. Das Team der Fachschule um Bildungsgangleiterin Steffi Gijsbertsen konnte am Infotag das Interesse vieler Besucher für diesen Ausbildungsweg wecken und die diesbezüglichen Fragen klären.

Betriebs- und Volkswirtschaftslehre, Englisch, Wirtschaftsinformatik und Mathematik stehen auf ihrem Stundenplan. Doch nicht nur die Inhalte ihres Unterrichts stellten die Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums für Wirtschaft und Verwaltung beim Infotag vor, sondern sie berichteten auch von ihrem Betriebspraktikum am Ende der 11. Jahrgangsstufe – und von der Möglichkeit, dieses in England zu absolvieren. Sophia Hell hat drei Wochen lang in einer Gastfamilie in Kleves Partnerstadt Worcester gelebt und tagsüber in einem Büro gearbeitet. Sie ist begeistert von der Organisation und freut sich, dass sie ihre Sprachkenntnisse verbessern konnte: „Man merkt, dass man von Tag zu Tag sicherer wird und immer mehr spricht“, erzählt sie interessierten Besuchern. Doch warum in die Ferne schweifen? Dass auch der Kreis Kleve durchaus attraktive Seiten hat, präsentieren Schülerinnen und Schüler der Höheren Handelsschule. Im Fach Wirtschaftsgeographie haben sie sich in Projekten und Exkursionen mit ihrer Heimat auseinandergesetzt. „Wir untersuchen, was genau die Push- und Pull-Faktoren unserer Region sind und wie sich Jugendliche deren Zukunft vorstellen,“ erläutert Stefan Lohkamp, der stellvertretende Leiter des Bildungsgangs. Auch ein Blick in die Vergangenheit war möglich: Dazu hingen an den Wänden alte Karten, vor denen so mancher Besucher interessiert stehen blieb.

Texte von Stefanie Daams, Johannes Menrath, Kristin Regnitter, Silja Theobald, Natascha Verbücheln und M.W.;

Fotos von Johannes Menrath