Mehr als Händchenhalten

Schülerinnen und Schüler sprechen im Religionsunterricht mit der Krankenhausseelsorgerin Judith Welbers.

Schüler des 12. Jahrgangs des Beruflichen Gymnasiums WuV mit ihrer Lehrerin Frau Daams und Frau Judith Welbers

Schülerinnen und Schüler haben mit Judith Welbers (2. von links) über ihren Beruf als Kran-kenhausseelsorgerin gesprochen.

Aufmunternde Worte sprechen, Krankheit akzeptieren helfen, sich um Angehörige kümmern. So stellen sich die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12 des Beruflichen Gymnasiums für Wirtschaft und Verwaltung die Aufgaben einer Krankenhausseelsorgerin vor. Dass sie damit nah dran sind an der Realität, hat ihnen Judith Welbers bestätigt, die als Seelsorgerin am Klever St.-Antonius-Hospital arbeitet und zum Gespräch in den katholischen Religionskurs gekommen ist. Das Berufsbild der Krankenhausseelsorgerin habe sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert, sei breiter geworden und mehr als „das Händchenhalten am Krankenbett“. So begleitet Judith Welbers nicht nur kranke und sterbende Menschen und deren Angehörige, sondern ist darüber hinaus auch Ansprechpartnerin für die Mitarbeitenden im Krankenhaus, gibt Kurse in der Krankenpflegeausbildung, feiert Gottesdienste, manchmal beerdigt sie auch.

Gespräche machen jedoch den Großteil ihrer Arbeit aus. Wie viele sie täglich führe, könne sie nicht genau sagen; das hänge auch von deren Intensität ab. Ein Schüler möchte wissen, was sie denn auf die Frage „Womit habe ich das verdient?“ antworte. Eine Frage, die Welbers in ihrem Alltag häufig begegne. „Für die Krankheit wird oft nach einem Verantwortlichen gesucht. Ich muss auf einen sauer sein können.“ Sie bemühe sich dann, keine Wertung hineinzubringen und schon gar nicht einen Schuldigen zu suchen. Anders als die Freunde des Hiob in der Bibel, dessen Geschichte die Schülerinnen und Schüler im Religionsunterricht gelesen haben. Nachdem Hiob erst seinen Besitz und seine Kinder verliert, wird er schwer krank – und dann auch noch von seinen Freunden kritisch beäugt, was er denn getan haben könnte, dass ihm solches Leid widerfahre. Was wenig hilfreich war für Hiob, ist auch heute wenig hilfreich für die Menschen im Krankenhaus. „Manchmal ist es gut, einfach mal den Mund zu halten“, meint Judith Welbers.

Wie sie mit den belastenden Situationen umgehe, fragt eine Schülerin. Hier sei es wichtig, eine professionelle Distanz zu schaffen, gut auf sich zu achten und einen Ausgleich zur Arbeit zu finden. „Ich kann nicht mit jedem bzw. jeder Sterbenden untergehen.“ Aber sie ist ihnen nahe, hört zu und fühlt mit. Immer wieder erlebe sie so berührende und auch positive Momente in ihrem Krankenhausalltag, die sie in ihrer Arbeit bestärkten. Dass sie daran Freude hat, können die Schülerinnen und Schüler Judith Welbers gut anmerken.

Text und Foto: Stefanie Daams,
Abteilung Wirtschaft & Verwaltung