Faszination Technik: Wie Lampen leuchten und Wärme sichtbar wird

Rund 60 Jugendliche aus Kleve, Kalkar und Goch waren zu Gast bei unseren Technik-Workshops der Höheren Berufsfachschule für Automatisierungs-, Bau- und Informationstechnik. Hier haben sie Industrieroboter programmiert, virtuell Gelände vermessen, eine eigene App geschrieben, Wärmebrücken sichtbar gemacht und eine Sicherheitsschaltung entwickelt. 

An diesem Modell-Haus lassen sich Schwachstellen der Wärmedämmung veranschaulichen. Vor allem an Rollladen und Fenstern kann viel Wärme und damit Energie verloren gehen.

An diesem Modell-Haus lassen sich Schwachstellen der Wärmedämmung veranschaulichen. Vor allem an Rollladen und Fenstern kann viel Wärme und damit Energie verloren gehen.

Autofahrer haben grün, die Fußgänger müssen warten. Das ist die Standardeinstellung von vielen Ampeln im Straßenverkehr. Erst wenn ein Fußgänger die Straße überqueren möchte und die Taste drückt, bekommt er grün. Beim Technik-Workshop galten am Freitag etwas andere Gesetze: Einige Jugendlichen versuchten Miniatur-Ampelanlagen so zu programmieren, dass Fußgänger und Fahrradfahrer Vorrang haben. Dazu nutzten sie einen Raspberry Pi, einen winzigen Hochleistungsrechner, der die Ampel ansteuert. Nach 30 Minuten haben es alle Jugendliche geschafft: Ganz im Sinne der Umwelt bevorzugt die Miniatur-Ampel nun Fußgänger und Fahrradfahrer. Der Spielzeug-Junge mit dem blauen T-Shirt kann die Straße überqueren, während die Autos warten müssen. Was im Kleinen funktioniert, könnte in Zukunft an jeder Kreuzung zum Einsatz kommen.
Rund 60 Jugendliche der zehnten Klassen haben dies jetzt bei den Technik-Workshops live ausprobieren können. Neben der Ampelsteuerung haben sie mit einer Industrie-CNC-Fräse ein Spielbrett produziert, Wärmebildkameras genutzt, um Wärmeverluste zu erkennen, einem Industrie-Roboter Befehle zum Aufräumen erteilt und ein Gelände mit dem Nivelliergerät auf Knopfdruck vermessen. Alle Inhalte der Workshops sind Lernbereiche der Höhere Berufsfachschule für Automatisierungs-, Bau/Holz- oder Informationstechnik. Dieser Bildungsgang führt in zwei Jahren zur Fachhochschulreife. Durch den hohen Anteil an Praxis-Unterricht werden breite berufliche Kenntnisse vermittelt, die Grundlage für einen erfolgreichen Einstieg ins Studium oder in die Ausbildung sind. „Wir bieten diese praktisch orientierten Workshops an, um zum einen das Interesse für Technik bei Jugendlichen zu wecken; zum anderen bekommen die Jugendlichen so einen guten Einblick in die unterschiedlichen Fachrichtungen der Höheren Berufsfachschule. Das hilft ihnen bei der beruflichen Orientierung.“, sagt Hans Hetzel, Leiter der Höheren Berufsfachschule der Abteilung Technik, der auch einen der beliebtesten Workshops leitete. Hier drehte sich alles um die Sicherheit von Arbeitskräften. Die Automatisierung vieler Maschinen birgt Verletzungsgefahren, die durch technische Vorkehrungen verringert werden können. Eine Biegepresse zum Beispiel biegt in Sekundenschnelle aus einem Blechstreifen Schellen. Damit Hände oder Finger nicht gequetscht werden können, muss die Maschine mit zwei Händen bedient werden. Beim Loslassen einesr der beiden Tasten wird die Bewegung der Presse gestoppt und der Kolben fährt schnell zurück. Möglich macht dies eine so genannte Zweihand-Schaltung, die die Jugendlichen im Workshop aufbauen und austesten konnten.

 
Nur für einen kurzen Augenblick ruhte die Hand auf dem Tisch im Klassenraum. Doch die Wärmebildkamera erkennt noch Sekunden später die abgestrahlte Wärme und zeigt einen klaren Handabdruck auf dem Bildschirm. „Wärmebildkameras werden eingesetzt, um Schwachstellen in der Dämmung und somit Wärmebrücken im Haus zu entdecken, zum Beispiel im Bereich von Rollladen oder Fenstern“, erklärt Lehrerin Sarah Schmidt den Jugendlichen. Nicht nur Körperwärme, auch elektronische Geräte wie Router oder Smartphones verlieren Energie in Form von Wärme, die die Jugendlichen in leuchtenden Rot- und Gelbtönen mit der Kamera aufspüren. Umhüllt man diese Gegenstände mit mineralischen oder synthetischen Dämmmaterialien, bleibt das Wärmebild blau. Die Wärme geht nicht verloren und die Umwelt geschont. Auch der 15-jährige Jonas war überrascht, was mit einer Wärmebildkamera alles sichtbar wird und wie viel Energie durch die richtige Dämmung eingespart werden kann. „Ich war schon beim Infotag hier und begeistert von der Ausstattung. Die Workshops sollen mir helfen, mich zu entscheiden, ob ich nach der Realschule tatsächlich im Bereich Bautechnik oder Informatik arbeiten möchte. Bisher macht es mir großen Spaß.“  
Wer sich ebenfalls für die Höhere Berufsfachschule für Technik interessiert, kann sich auf www.berufskolleg-kleve.de informieren und anmelden.

Text und Fotos von Natascha Verbücheln
Abteilung Technik