Mo 26.02.2018

Zehn Badewannen für ein T-Shirt

Moderator Max Menkenhagen (links) diskutiert mit Schülern über die Möglichkeiten, wie jeder von uns ohne großen Aufwand Rohstoffe sparen und Müll vermeiden kann.

Bild vergrößern

Moderator Max Menkenhagen (links) diskutiert mit Schülern über die Möglichkeiten, wie jeder von uns ohne großen Aufwand Rohstoffe sparen und Müll vermeiden kann.

340 000 - so viele "Coffee to go"-Pappbecher werden pro Stunde in Deutschland verkauft. Die Pappbecher landen nach der Benutzung am Straßenrand, auf dem Parkplatz oder auf dem Fußboden eines Zugs. Der Müll sammelt sich im Meer an, verursacht den Kommunen immense Kosten bei der Straßenreinigung und wird dem Rohstoffkreislauf entzogen. Selbst wer die Pappbecher in den Mülleimer entsorgt, hilft der Umwelt nur bedingt. Denn die Einwegbecher sind beschichtet, recyceln kaum möglich. Schülerin Lea Friedl macht es besser: "Ich nehme immer einen Thermobecher mit."
400 Schüler des Berufskollegs Kleve haben in der UNESCO-Multivisionsschau an vielen Beispielen erfahren, wie nachlässig weltweit mit den Ressourcen der Erde umgegangen wird. Moderator Max Menkenhagen und Gertrud Kannenberg von der Kreis Kleve Abfallwirtschaft (KKA) haben durch die Schau geführt und gezeigt, dass sich der Umgang mit den Ressourcen der Erde grundlegend ändern muss. Seit den 70er Jahren verbrauchen wir jährlich mehr Rohstoffe, als die Erde in einem Jahr produzieren kann: Pro Minute werden 35 Fußballfelder Wald gerodet, für ein T-Shirt zehn Badewannen Wasser verbraucht, und 82 Kilogramm Lebensmittel pro Jahr und Person weggeworfen.  
85 Millionen alter Handys in der Schublade
Hellhörig werden die Schüler bei einem anderen Beispiel: dem Smartphone. In jedem dieser Geräte stecken über 45 seltene Rohstoffe, die wahrscheinlich bis 2050 aufgebraucht sein werden. Auch Kupfer ist dann nicht mehr verfügbar. Dabei wäre die Lösung so einfach: alte Handys entsorgen, damit die Rohstoffe wiederverwertet werden können. Alleine bei den Klever Schülern lagern bis zu vier alten Handys pro Person in der Schublade, wie eine Handabfrage zeigt; in Deutschland sind es rund 85 Millionen und damit 1000 Tonnen ungenutztes Kupfer. Für die Konzerne wäre die Gewinnung von Edelmetallen aus alten Geräten sogar kostengünstiger, würden sie sie nicht als Wegwerfprodukte konzipiert, die sich nur mühsam recyceln lassen. Nun hier liegt die Verantwortung freilich bei den Produzenten. Da können wir doch nichts dafür? Wirklich nicht? "Unser Kassenbon ist bei jedem Einkauf ein Stimmzettel", so Menkenhagen. Mit unserem Kaufverhalten setzten wir die für eine Veränderung notwendigen Signale für eine Umstellung, so auch der Tenor der abschließenden Diskussionsrunde mit den Schülern. "Durch die Veranstaltung können wir das Thema  im Unterricht jetzt gut aufarbeiten", freut sich Lehrerin Dagmar Lörper, die die Kampagne ans Berufskolleg geholt hat.
Der Erfolg der Multivisionsschau liegt nicht nur im 30-minütigen Film, sondern auch im Moderator begründet, der auf die Schüler eingeht: "Wir müssen jetzt nicht alle Veganer werden und aufs Auto verzichten. Aber den Müll in den Mülleimer werfen statt zwei Meter daneben fallen zu lassen, das könnten wir schaffen." Gerade in Schulen ist die Müllentsorgung ein Problem. Schülersprecherin Nadine Küppers weiß das aus Erfahrung: "Ich habe selbst schon Mitschüler aufgefordert, Pizzakartons von den Tischen in den Müll zu werfen."
Mülltrennung beherrschen die Deutschen, Müllvermeidung aber nicht
Kannenberg von der Kreis Kleve Abfallwirtschaft möchte gerne noch einen Schritt davor ansetzen. Sie erzählt den Schülern, dass im Kreis Kleve der Abfall nicht weniger werde. Deutschland sei trauriger Europameister, was Verpackungsmüll angehe. "Viele Deutsche haben kein schlechtes Gewissen, weil wir den Müll so gut sortieren. Aber durchs Sortieren wird der Müll nicht weniger. Gewohnheit bringt uns nicht weiter", appelliert Kannenberg. Schon kleine Veränderungen könnten helfen, die Ressourcen zu schonen und Müll zu vermeiden: Butterbrot in der Dose statt aufwendig verpacktem Imbiss, Schulhefte aus recycelten Papier, Beutel statt Tüte oder, so wie Lea es macht, Thermoskanne statt Pappbecher.

Text: Kristin Regnitter und Natascha Verbücheln, Foto: Kristin Regnitter,
Berufskolleg Kleve