So 30.09.2018

Uganda: Gesundheit ist teuer

•	Alida Sievert und ihre Mitschülerinnen der Oberstufe des Beruflichen Gymnasiums für Gesundheit produzieren ein Stopp-Motion-Video, in dem sie über die Hygienebedingungen für Frauen in Uganda informieren.

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Alida Sievert und ihre Mitschülerinnen der Oberstufe des Beruflichen Gymnasiums für Gesundheit produzieren ein Stopp-Motion-Video, in dem sie über die Hygienebedingungen für Frauen in Uganda informieren.

Heinz Seitz, Vorsitzender der „William´s Hill - Nursery & Primary School“, berichtete den Schülern des Berufskollegs von seinen Erfahrungen und Erlebnissen in Uganda.

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Heinz Seitz, Vorsitzender der „William´s Hill - Nursery & Primary School“, berichtete den Schülern des Berufskollegs von seinen Erfahrungen und Erlebnissen in Uganda.

Gerade für Mädchen in Uganda ist die Situation schwierig – ohne Tampons, Binden oder Kondome. Hier ist eine frühe Aufklärung wichtig. Zum Beispiel mit diesem Memory, das die Schüler produziert haben.

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Gerade für Mädchen in Uganda ist die Situation schwierig – ohne Tampons, Binden oder Kondome. Hier ist eine frühe Aufklärung wichtig. Zum Beispiel mit diesem Memory, das die Schüler produziert haben.

Circa 300 Millionen Kondome werden in Deutschland pro Jahr produziert; in Afrika sind es etwa 20 Millionen Kondome für 1,3 Milliarden Menschen. Verhütung ist in einem Entwicklungsland wie Uganda oft ein Tabu-Thema; Verhütungsmittel sind zu teuer oder werden abgelehnt. AIDS-Infektionen sind die mit Abstand häufigste Todesursache. Gerade für Frauen ist die Situation bedenklich. Es mangelt an Tampons, Binden und Kondomen. Während ihrer Periode meiden viele Mädchen den Schulbesuch. „Am meisten geschockt hat uns, dass sich viele Frauen mit Stöcken oder spitzen Gegenständen verletzten, um eine Abtreibung zu erreichen. Das ist furchtbar“, sagt Alida Sievert, Schülerin des Berufskollegs Kleve. Die 18-Jährige ist von den Ergebnissen des Uganda-Projektes im Beruflichen Gymnasium für Gesundheit tief berührt und will weiter daran arbeiten. „Ich finde es wichtig, anderen Leuten die Augen zu öffnen, unter welchen Bedingungen die Menschen dort leben.“
Im Rahmen des Leistungskursfachs Gesundheit haben sich alle Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums für Gesundheit jetzt mit verschiedenen Gesundheits-Aspekten in Uganda auseinandergesetzt: Wie ist das Gesundheitssystem in Uganda aufgebaut? Wie ernähren sich die Menschen dort? Welche Hygienestandards werden eingehalten? Dazu haben die Schüler Erklärvideos erstellt, Memorys gebastelt und Quizfragen formuliert, um die Menschen in Deutschland und die Kinder vor Ort zu informieren. „Dieses Projekt schärft unser psycho-soziales Profil und ergänzt unseren gesundheitlich-medizinischen Schwerpunkt im Beruflichen Gymnasium“, so Dagmar Lörper, die stellvertretenden Bildungsgangleiterin. Auftakt des Uganda-Projektes war der Besuch von Heinz Seitz, dem Vorsitzenden des Vereins "William´s Hill - Nursery & Primary School", im Berufskolleg. Der Verein unterstützt von Bedburg-Hau aus bedürftige Kinder in Uganda. 300 Kindern wird mithilfe von privaten Spenden der Schulbesuch, die Unterkunft sowie drei Mahlzeiten am Tag ermöglicht. Ein Großteil der Grundnahrungsmittel wird auf den fruchtbaren Böden des Schulgeländes angebaut; auch Kühe und Schweine werden hier gehalten und gezüchtet. Die Kinder sollen nicht nur einen Schulabschluss erhalten, sondern auch lernen, wie sie sich in Zukunft selbst versorgen können.
Zwei- bis dreimal im Jahr fliegt Seitz nach Uganda, bepackt mit Spendengeldern, Alltagsgegenständen und Kleidung. Es mangelt in Uganda an allem. „Ich habe gesehen, wie sich Jugendliche die Nägel mit einer Rasierklinge geschnitten haben. Nagelscheren gibt es nicht. So etwas kann ich mir nicht mit ansehen“, sagte Seitz. Trotz der Armut und des großen Elends habe er sich noch nie unsicher gefühlt; dafür aber oft machtlos: „Einmal haben wir gesehen, dass die Essensrationen für die Kinder um 20 Prozent gekürzt worden waren, weil die Ernte schlecht ausgefallen ist. Zum Glück waren wir vor Ort und konnten reagieren. Wir haben direkt eine halbe Tonne Maismehl zusätzlich gekauft.“ Viele der Kinder, die in William´s Hill leben, haben miterlebt, wie Eltern und Verwandte an der AIDS-Infektion gestorben sind. Alles, was sie besitzen, so erzählt Seitz den Schülern, finde Platz in kleinen blauen Kisten, die vor den Betten im Waisenhaus stehen.
Daran wollen die Schüler des Berufskollegs etwas ändern. Nach der theoretischen Beschäftigung mit der Situation in Ostafrika am Projekttag soll eine Arbeitsgemeinschaft entstehen, die langfristig den Kindern in Uganda mit Kleidersammelaktionen, Brieffreundschaften und Aufklärungsarbeit helfen will. So soll sich eine langfristige Partnerschaft mit der Schule in Uganda entwickeln. Wenn Seitz im November wieder nach Uganda fliegt, wird er auf jeden Fall auch einen Brief der Schüler des Beruflichen Gymnasiums, ein Lern-Memory für die Kleinen und Arbeitsmaterialien für die größeren Kinder im Gepäck haben.

Text: Natascha Verbücheln, Fotos: Natascha Verbücheln und Thorsten Rölver,
Abteilung Gesundheit und Ernährung