Fr 27.04.2018

Stolperstein-Verlegung in Kleve

Diese Stolpersteine erinnern jetzt an der Herzogstraße 1 in Kleve an das Schicksal der jüdischen Familie Kaufmann.

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Diese Stolpersteine erinnern jetzt an der Herzogstraße 1 in Kleve an das Schicksal der jüdischen Familie Kaufmann.

"Ich war ein jüdisches Kind und deswegen wurde ich ausgelöscht." Diese symbolische Aussage der dreijährigen Noemi Kaufmann zeugt von dem grausamen Schicksal der Familie Kaufmann, die in der NS-Zeit an der Herzogstraße 1 gelebt hat. Dort sind jetzt zur Erinnerung an ihr Schicksal Stolpersteine in den Bürgersteig eingelassen worden. Im Namen des Vereins „Haus der Begegnung – Beth HaMifgash" haben die Klassen der Fachoberschule für Gesundheit und Soziales sowie der evangelische Religionskurs der Jahrgangsstufe 12 des Beruflichen Gymnasiums für Gesundheit die Verlegung dreier dieser Stolpersteine begleitet. Unter Moderation von Marina Sänger-Hartnack, Nicola Schatton und Hedwig Meyer-Wilmes haben die Schüler in Gedichten und Liedern an das kurze Leben der Familie Kaufmann erinnert. Die Poetry-Slam-Gruppe der Abteilung Sozialwesen leitete mit einer szenischen Erinnerung in das Gedenken ein: "Ich hätte so gerne den Duft des Frühlingsgenossen, hätte so gerne schwimmen gelernt. Wie gerne wäre ich zur Schule gegangen, hätte mich so gern verliebt. Ich war ein jüdisches Kind, das war Grund genug, um mich auszulöschen!"
1937 heiratete Rudolf Kaufmann, ein Lehrer und Kultusbeamter an der jüdischen Schule in Kleve, Charlotte. Schon wenig später musste das Ehepaar vor dem NS-Regime fliehen, 1941  wurden sie verhaftet und nach Westerbork gebracht. Dort in einer Baracke kam ihre Tochter Noemi zur Welt. Sie war keine drei Jahre alt, als ihre Eltern zum Transport aufgerufen wurden. Am 4. September 1944 musste die Familie einen der Züge besteigen, die Richtung Osten rollten. Zum Spielen kam die kleine Noemi  nicht mehr, aus Auschwitz gab es kein Zurück. Sie und ihre Mutter Charlotte wurden direkt in die Gaskammer geführt; Rudolf wurde in Dachau ermordet.
Die Schülerinnen Sophie Peerenboom, Marie Traut und Lea Samplonius imaginierten, was Noemis Schulfreundinnen wohl hätten denken können: "Der Platz neben mir blieb leer. Du warst weg und bis heute weiß ich nicht,  hätte ich verhindern können, dass Du so still und leise gegangen bist?" Mit einem Gedicht der jüdischen Dichterin Mascha Kaleko thematisierten Nina Simon und Silvia Schatschneider die Heimatlosigkeit als Überlebende: „Wohin ich immer reise, ich komme nach Nirgendland“. Nirgendwo zuhause zu sein, das sei schrecklich. Es bleibe nur, die Erinnerung an die Ermordeten wach zu halten. Um mit dem Lied der Schülerinnen und Schüler „Hevenu Shalom Aleichem" zu enden: Frieden auf Erden wünschen wir den Toten und brauchen die Lebenden.

Text: Hedwig Meyer-Wilmes,
Foto: Oliver Lueben (SFOSO17C),
Abteilung Sozialwesen