Sa 27.10.2018

Schuldach als Zuhause

Lehrer Jörg Manske zeigt den Schülerinnen und Schülern des Schülerforschungszentrums einen der beiden Bienenkästen, die jetzt auf dem Schuldach stehen. Durch die Glaswand lassen sich die Tiere bei der Arbeit gut beobachten.

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Lehrer Jörg Manske zeigt den Schülerinnen und Schülern des Schülerforschungszentrums einen der beiden Bienenkästen, die jetzt auf dem Schuldach stehen. Durch die Glaswand lassen sich die Tiere bei der Arbeit gut beobachten.

Die Kisten sind so konstruiert, dass sich dort Wachstäfelchen einsetzen lassen, die mit dünnem Draht durchzogen sind. Das ist der Startpunkt für die Bienen, um hier Waben zu bilden und ihre Beute abzulegen. Im Frühling lassen sich diese Täfelchen dan

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Die Kisten sind so konstruiert, dass sich dort Wachstäfelchen einsetzen lassen, die mit dünnem Draht durchzogen sind. Das ist der Startpunkt für die Bienen, um hier Waben zu bilden und ihre Beute abzulegen. Im Frühling lassen sich diese Täfelchen dann leicht aus der Kiste entfernen, um den Honig zu ernten.

Vor dem Experimentieren steht das Informieren - Lehrer und Hobby-Imker Jörg Manske führt die Schüler in die Welt der Bienen ein und erklärt ihnen die Lebensweise und das Verhalten der Tiere.

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Vor dem Experimentieren steht das Informieren - Lehrer und Hobby-Imker Jörg Manske führt die Schüler in die Welt der Bienen ein und erklärt ihnen die Lebensweise und das Verhalten der Tiere.

Mit dem Öffnen der Dachluke beginnt das Summen. Es ist leise, aber doch hörbar. Duzende Bienen fliegen umher oder sitzen am Rand der Holzkiste. Die Tiere sind fleißig bei der Nahrungssuche, um für den Winter genügend Vorräte zu haben, und lassen sich nicht stören. An Besucher haben sie sich sowieso schon gewöhnt – Nicht nur Bauarbeiter laufen häufig über das Dach, auch Schüler des Schülerforschungszentrums unserer Schule beobachten genau, wie sich die Tiere entwickeln.
Im Frühsommer haben wir zwei Bienenvölker gekauft und in zwei Holzkisten auf dem Schuldach untergebracht. Inzwischen leben rund 30 000 Bienen hier – ein Zeichen dafür, dass sie sich am Berufskolleg wohlfühlen. Mit dem Projekt wollen wir einen Beitrag zum Umweltschutz leisten; die Bienenvölker dienen aber auch als Forschungsprojekt für interessierte Schülerinnen und Schüler. Im Biologietechnik-Kurs haben Schüler des Beruflichen Gymnasiums für Ernährung zum Beispiel Pollen aus zwei Honigproben gewonnen. Sie wollen die Pollenkörner unter dem Mikroskop mit Zählkammern zählen und bestimmen, um zu schauen, ob die Proben Unterschiede aufweisen. „Die Schüler sind begeistert; hier haben sie ein ganz konkretes Forschungsprojekt. Sie erleben, wie wichtig Bienen sind und was sie leisten können. Da wird man schon demütig“, sagt Jörg Manske. Der Lehrer und Hobby-Imker hat die Bienenstöcke aufgestellt und kümmert sich um sie. In seiner Freizeit engagiert er sich im Imkerverein und hat bereits einige Bienenvölker betreut. Über ein Ärgernis ist er damals zum Imkern gekommen: „Ich habe mich immer gewundert, warum in meinem Obstgarten so wenig Obst wächst. Dem bin ich irgendwann auf die Spur gegangen. In meinem Garten fehlten Bienen.“ Bienen zählen zu den wichtigsten Insekten des Ökosystems, weil sie einen Großteil der Pflanzen während ihrer Suche nach Nektar bestäuben. Den Nektar benötigen die Bienen für ihre Nahrung. In der Umgebung der Schule finden sie genug Blüten: „Ich schätze die Bienen haben pro Volk mehr als 20 Kilo Futter gesammelt, damit kommen sie gut über den Winter“, sagt Manske.
Bienen verarbeiten den Nektar und die Pollen, die sie sammeln, durch bestimmte Verdauungsenzyme und lagern ihn in Waben in ihrem Stock. Es entsteht energiereicher, dickflüssiger Honig, von dem sich die Bienen in der kalten Jahreszeit ernähren. Imker ernten Honig im Frühsommer. Schon jetzt ist in den Kisten süßer Honig, der durch die Bienen aber noch stärker entwässert werden muss. Früher starben die Bienen, wenn die Imker den Honig entnahmen. Heute sind die Kisten so konstruiert, dass der Honigraum von der Brut getrennt ist. „Ein Gitter trennt die beiden Bereiche. Die Königin passt nicht hindurch, sodass sie ihre Eier davor ablegen muss“, erklärt Manske. So kommen die Imker besser an den Honig und können ihn gefahrlos entfernen. Als Ersatz werden die Tiere dann im Frühsommer mit Zuckerwasser gefüttert, damit sie nicht verhungern.
Nicht nur der Honig wird von den Schülern des Schülerforschungszentrums untersucht und geerntet werden, auch Propolis, eine harzartige Substanz. Es wird von den Honigbienen produziert, die den Harz verschiedener Pflanzen mit anderen Bestandteilen wie Wachs, Pollen und Sekreten vermischen, um ihn als Baumaterial zu verwenden. Propolis wird seit Jahrhunderten als Naturheilmittel verwendet, das antibiotisch wirken, das Immunsystem stärken und die Wundheilung beschleunigen kann. Diese Wirkung nutzen die Bienen auch in ihrem Stock – Krankheiten und Infektionen kommen bei Bienen trotz des engen Raumes, auf dem sich die Tiere aufhalten, selten vor.  
Trotzdem sind Honigbienen gefährdet. Schuld daran ist eine Milbenart, die aus Südeuropa eingeschleppt wurde und die schon viele Bienenvölker vernichtet hat. Die Varroamilbe ernährt sich von der Brut der Bienen und schwächt die Tiere so stark, dass diese anfällig für andere Krankheitserreger wird. Um unsere Bienen vor den Milbenbefall zu beschützen, hat Manske die Kisten mit einer Säure bedampft, die die Milben töten soll. Zusammen mit Schüler wird er immer wieder die Bienenstöcke auf einen möglichen Befall hin überprüfen, damit sich die Tiere möglichst lange bei uns aufhalten.

Hintergrundinfos zum Bienenstaat:

Königin: Die Königin ist das größte Tier im Stock und legt als einzige Eier, bis zu 2000 Stück am Tag. Aus unbefruchteten Eiern entstehen Drohnen, aus befruchteten Eiern Arbeiterinnen oder Königinnen. Eine Königin kann drei bis vier Jahre leben.
Arbeiterinnen: Sie sammeln Pollen und Nektar, ziehen die Larven auf und verteidigen den Stock. Arbeiterinnen werden durch ein Pheromon der Königin unfruchtbar und sterben meist nach wenigen Wochen.
Drohnen: Nur im Frühsommer werden männliche Bienen, so genannte Drohnen, aufgezogen. Sie paaren sich mit jungen Königinnen und sterben nach der Begattung.

 

Text: Natascha Verbücheln, Fotos: Dr. Hacer Türkeri,
Abteilung Berufskolleg Kleve