Fr 29.12.2017

Prototypen und Pionierarbeit

Bild vergrößern

Niklas van Heukelum (rechts im Bild) demonstrierte die Montagevorrichtung für Schutzhauben von Verpackungsmaschinen

Bild vergrößern

ils Ingenpaß, Tim Rachner, Carolin Angenendt und Sascha Gipkens (v.l.n.r.) präsentieren ihre Konstruktion eines fahrbaren Ladesystems für Wärmebehandlungsanlagen

Ein letztes Räuspern, das Hemd glattstreichen, leises Flüstern: Vor einem Publikum aus rund 100 Gästen präsentierten die 23 Studierenden der Fachschule für Maschinenbautechnik des Berufskollegs Kleve ihre Projektarbeiten. Inhalt der Projekte waren verschiedenste Konstruktionen für und aus der industriellen Praxis, von denen einige bereits realisiert wurden und andere sich in konkreter Planung befinden. Bevor es an die Konstruktionen ging, haben sich die Studierenden zuerst gefragt: An welchem Aspekt des Fertigungsprozesses im eigenen Betrieb gibt es Optimierungsbedarf? Diesen fanden die Studierenden an unterschiedlichen Stellen: weniger Stillstandzeiten der Maschinen, geringerer Materialverlust bei der Fertigung, Steigerung der Ergonomie oder Minimierung des Verletzungsrisikos. Dabei spielte es keine Rolle, ob internationaler Großkonzern oder lokale Schlosserei.
 Montagevorrichtungen und Kaffeeröster-Trommeln
In 30-minütigen Vorträgen erfuhren die Gäste – darunter viele Schüler, die sich gerade selbst in der dualen Ausbildung zum Industriemechaniker oder Mechatroniker befinden –, wie diese betrieblichen Bedarfe von den Studierenden der Fachschule für Maschinenbautechnik mithilfe ihrer Konstruktionen gelöst wurden. Vorgestellt wurde unter anderem eine Orbitalschweißvorrichtung für Wärmetauscher, die mehrere zeitintensive Arbeitsvorgänge (Röhre fräsen und verschweißen mit jeweils unterschiedlichem Gerät) durch eine einzige CNC-gesteuerte Anlage ersetzte. Mit kurzen Videosequenzen aus den Produktionshallen der beteiligten Firmen und detailgetreuen Animationen der Konstruktionslösungen vermittelten die Studierenden eindrucksvoll, wo ihre Konstruktionen zum Einsatz kommen. Dabei wurde ein breites Spektrum der Maschinenbautechnik geboten: Montagevorrichtungen für LKW-Achsen, Kaffeeröster-Trommeln und Schutzhauben von Verpackungsmaschinen. Dass die angehenden Technikerinnen und Techniker mit ihren Projekten auch Pionierarbeit leisteten, zeigte sich gleich zu Beginn der Veranstaltung, als Mark Heyl, Max Tebbe und Pascal Sinzig ihr Werkzeug zur automatisierten Montage von Einpresseinsätzen in Spritzgussteilen vorstellten: Prototypen der zu verbauenden Werkstücke brachten sie zur Anschauung mit, doch als Zulieferer für die Automobilbranche galten strenge Geheimhaltungsrichtlinien für die innovativen Konstruktionen.
1000 Stunden Arbeit
Die dreimonatige Projektarbeit stellt einen wesentlichen Teil der Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker dar: Sie umfasst für jeden Studierenden ein Engagement von 250 Stunden, wobei immer in Teams von bis zu vier Personen gearbeitet wird. In den Projekten stecken damit also bis zu 1000 Stunden Arbeit für Planung, Durchführung und Überprüfung der Konstruktionen. Nach der Präsentation der Projektarbeiten stehen die Studierenden jetzt kurz vor dem Abschluss. Neben dem vertieften beruflichen Fachwissen haben die Studierenden in den letzten Jahren auch weitreichende Kompetenzen im Bereich des Managements wie die Führung von Mitarbeitern, das Arbeiten im Team, die Orientierung an Kundenbedürfnissen sowie die effektive und kostenbewusste Gestaltung von betrieblichen Prozessen erworben.
Wer in Zukunft Interesse an der Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker hat, ist am Berufskolleg Kleve willkommen. Es startet im kommenden Schuljahr wieder ein neuer Jahrgang, der in Teilzeitform angeboten wird. Interessenten können sich schon jetzt auf der Homepage www.berufskolleg-kleve.de/anmeldung registrieren oder ein Beratungsgespräch vereinbaren.

Text und Fotos: M.W.,
Abteilung Technik