Do 22.03.2018

Nordkorea hautnah

Nordkorea-Zeitzeuge Keup zu Gast im BGYM

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Peter Keup (links) erzählt Schülerinnen und Schülern von Hotelwanzen, aufdringlichen "Aufpassern" und der beklemmenden Dunkelheit in Nordkoreas Straßen.

Persönliche Aufpasser, die Reisende Tag und Nacht verfolgen; Einwohner, die jedes Gespräch verweigern; Dunkelheit auf den Straßen der Großstädten: Die Reise nach Nordkorea hat bei Peter Keup ein beklemmendes Gefühl hinterlassen. Als ehemaliges Stasi-Opfer hält er auf der ganzen Welt Vorträge über die Gräueltaten des SED-Regime und leistet Aufklärungsarbeit an Schulen, doch vor allem die kurze Reise nach Nordkorea hat ihn nachhaltig beeinflusst. Das wurde bei seinem Vortrag für die Jahrgangsstufe 13 des Beruflichen Gymnasiums für Wirtschaft und Verwaltung zum Abschluss einer Unterrichtsreihe zu aktuellen Konflikten in der Welt deutlich.

Nordkorea, das seit dem Ende des Koreakrieges von Südkorea getrennt ist, wird von der Kim-Dynastie mit strenger Hand regiert. Verblüffend war für Keup, dass die Menschen nicht aus politischen Gründen fliehen, wie er es aus der DDR kannte. Ihm sei während seines Besuches klar geworden, dass sie zu sehr durch die allgegenwärtige Propaganda beeinflusst und von jeder anderen Information abgeschottet sind, um ein politisches Bewusstsein für die diktatorische Politik Kim Jong Uns zu entwickeln. Flüchtlinge gibt es zwar, aber nur um dem Hunger und der Kälte zu entkommen. Denn der Diktator braucht das Geld für sein Militär und die Atomwaffenversuche. Die Sanktionen gegen das Land, das dem Rest der Welt droht, erschweren zudem die Versorgung der Bevölkerung.

In Nordkorea sollte man sich immer an die Regeln des Regimes halten, betonte Keup. Am nordkoreanischen Flughafen müssen Touristen ihre Pässe abgeben, alle Touristen werden in einem Hotel in Pjöngjang untergebracht, ohne „Aufpasser“ darf man keinen Schritt tun. Ebenso befinden sich in jedem Hotelzimmer Wanzen, um die Touristen abzuhören. Es dürfen nur Fotos gemacht werden, wenn man eine Aufforderung zum Fotografieren bekommt. Nordkoreanische Einwohner dürfen weder bei der Arbeit, noch wenn sie Uniformen tragen, fotografiert werden. Eine Chance, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, fand Keup kaum, denn sie vermieden jeglichen Augenkontakt oder andere Interaktionen. Selbst Kinder wandten sich ab. Was ihm dennoch nicht verborgen blieb, waren Gebäude in desaströsen Zuständen, menschenleere Straßen, Bauruinen, die wie Potemkinsche Dörfer wirkten. Bei Nacht war das Land dunkel, denn Elektrizität für Licht fehlt. Nur die überdimensionalen Propaganda Hot-Spots leuchten bei Nacht.

Text: Larissa Meder (KGYWV15), Fotos: Ingrid van Gemmeren,
Abteilung Wirtschaft und Verwaltung