Mi 27.09.2017

Keine Chance für Rechts - Schüler feiern „ihr“ Wahlergebnis

Gruppenbild aller Beteiligten

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Die Wahlhelferinnen und Wahlhelfer mit ihren Urkunden, die sie für ihr Engagement erhalten haben.

Zwei Schülerinnen referieren vor einer Leinwand

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Die beiden Schülerinnen, Lara Dorpmanns und Emma Dahlhaus, wünschen sich mehr Jugendarbeit von den Parteien - und ein besseres Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln.

Der Schulleiter Herrs Wolters hält einen Vortrag

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Schulleiter Peter A. Wolters ermutigt die Schülerinnen und Schüler zum Engagement in Parteien, Organisationen oder Vereinen.

Wie mühselig die Arbeit von Wahlhelferinnen und Wahlhelfern sein kann, wissen die 50 Schülerinnen und Schüler des Berufskolleg Kleves jetzt. In den letzten zwei Wochen haben sie Wählerverzeichnisse angelegt, Wahlkabinen hergerichtet und 600 Stimmzettel ausgezählt. Letzteres sogar gleich mehrmals, weil sie im ersten Durchgang irgendwo eine Zweitstimme vergessen hatten. Trotz allem sind die Schülerinnen und Schüler begeistert von dem Projekt Juniorwahl und stolz auf „ihr“ Wahlergebnis: Je rund 20 Prozent der 600 beteiligten Schülerinnen und Schüler haben für die CDU bzw. SPD gestimmt. Bündnis 90/Die Grünen kamen bei der Juniorwahl auf 16,4 %; abgeschlagen dagegen ist die AFD mit 3,3 % der Stimmen. Diese Zahlen sorgten für Jubel während der großen Wahlparty mit Fachlehrern und Wahlhelfern.

Unter den beteiligten Schülerinnen und Schülern der Juniorwahl waren etliche, die zum ersten Mal auch bei der Bundestagswahl wählen durften. Doch angesprochen gefühlt haben sie sich von den Politikern im Wahlkampf nicht.  „Die Wahlprogramme richten sich an Ältere; für die 18- bis 25-Jährigen findet sich kaum etwas“, kritisierten die Schülerin Emma Dahlhaus und Lara Dorpmanns. Sie wünschen sich den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel, bezahlbare Studentenwohnungen, Steuersenkungen und  mehr soziale Gerechtigkeit.  „Jetzt müssen wir sehen, ob  die Politiker etwas davon umsetzen werden.“ Resignation oder Politikverdrossenheit ist hier nichts zu spüren. Im Rahmen der Juniorwahl haben sich die Schülerinnen und Schüler im Unterricht lange mit Wahlen und Demokratie auseinandergesetzt. „Mit fast 24 % sind die Nicht-Wähler die zweitstärkste Partei in unserem Land. Diese Menschen hätten die Wahl deutlich verändert. Es ist erdrückend zu sehen, wie viel Einfluss die Resignation der Nicht-Wähler hat. Es ist wichtig, dass wir uns alle beteiligen“, betonte Schüler Andres Jermutus.  

Schulleiter Peter A. Wolters bedankte sich für das Engagement der Schülerinnen und Schüler: „Es ist anstrengend, sich in die Diskussion zu begeben, seine Position zu finden und dafür einzustehen. Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit.“ Wolters spricht aus eigener Erfahrung. Wenn seine vier Kinder, alle politisch anders orientiert, zu Besuch kommen, gebe es wilde Diskussionen am Tisch. „Aber wir essen immer noch gerne Spaghetti zusammen.“ Wolters appellierte die Schülerinnen und Schüler, sich auch über die Juniorwahl hinaus für die Demokratie stark zu machen: „Engagieren Sie sich, egal ob in Parteien, Organisationen oder Vereinen! Mischen Sie mit bei den Dingen, von denen Sie überzeugt sind!“

Text und Fotos: Natascha Verbücheln,
Berufskolleg Kleve