Sa 24.02.2018

Im Gespräch mit Abgeordneten

Lisa Lamers (links) und Miriam Nass (rechts) haben die Diskussion mit den Bundestagsabgeordenten moderiert.

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Lisa Lamers (links) und Miriam Nass (rechts) haben die Diskussion mit den Bundestagsabgeordenten moderiert.

Bundesministerin Dr. Barbara Hendricks (SPD) und der Bundestagsabgeordnete Stefan Rouenhoff (CDU) haben sich Fragen der Schüler des Beruflichen Gymnasiums für Wirtschaft und Verwaltung des Berufskollegs Kleve gestellt. Bei der "Juniorwahl" anlässlich der Bundestagswahl sind bei den Jugendlichen viele Fragen entstanden, die sie gerne an die Politiker stellen würden. Die beiden Politiker sind diesem Wunsch jetzt nachgekommen.
Ein Thema, das die Schülerinnen und Schüler stark beschäftigt, ist die Digitalisierung, denn diese wird einerseits in zukünftigen Berufen eine immer wichtigere Rolle spielen, andererseits bestimmte Berufe „überflüssig“ machen. Während am Beruflichen Gymnasium Informatik ein zentrales Unterrichtsfach ist, sehen sie erhebliche Defizite bei der digitalen Bildung von Schülerinnen und Schülern und Lehrkräften im Allgemeinen. Barbara Hendricks räumte ein, dass die Schulen auf jeden Fall besser ausgestattet werden müssen, wozu fünf Milliarden Euro zur Verfügung gestellt würden. Auch Stefan Rouenhoff sieht bei der Ausstattung der Schulen erheblichen Handlungsbedarf. Darüber hinaus sei die voranschreitende Digitalisierung auch mit erheblichen Chancen verbunden, weshalb man dieser nicht nur besorgt gegenüberstehen solle.
Die angehenden Abiturientinnen und Abiturienten, die meist ein Studium sowie einen Umzug in eine Großstadt planen, interessierte auch die Frage nach einem elternunabhängigen BAföG und mehr bezahlbaren Wohnraum. „Das elternunabhängige BAföG wird es zwar zukünftig nicht geben, schließlich gibt es in Deutschland – ganz im Gegensatz zu anderen Ländern – keine Studiengebühren“, so Hendricks. Sie wies aber darauf hin, dass nach einer abgeschlossenen Ausbildung die Möglichkeit auf elternunabhängiges BAföG bestehe, und Stefan Rouenhoff erinnerte an die Möglichkeit eines Stipendiums. Außerdem stehe im Koalitionsvertrag, dass künftig mehr staatliche Mittel für den Studentenwohnungsbau aufgewendet würden. Bei all den geplanten Maßnahmen fragten die Schülerinnen und Schüler kritisch nach, ob der öffentliche Dienst überhaupt genug Personal rekrutieren könne angesichts einer boomenden „freien“ Wirtschaft, die erheblich höhere Gehälter zahle. Außerdem falle auf, dass zwar viel Wohnraum geschaffen werde, dieser jedoch sehr teuer sei. Dass der Staat als Arbeitgeber bei Gehältern nicht mithalten kann, räumten beide Politiker ein, zugunsten des öffentlichen Dienstes spreche allerdings der sichere Arbeitsplatz. Beim Wohnungsbau bewerten beide positiv, dass von den Kommunen immer häufiger eine Durchmischung beim Wohnungsbau eingefordert werde, beispielsweise je ein Drittel sozialer Wohnungsbau, mittelpreisige Mietwohnungen und Eigentumswohnungen.  
Im Bereich Umweltpolitik fordern die Schülerinnen und Schüler, die Verursacher viel konsequenter zur Verantwortung zu ziehen, sei es beim Dieselskandal oder dem verunreinigten Grundwasser, und negativer Lobbyarbeit ein Ende zu bereiten. Zur aktuellen Problematik der Regierungsbildung angesprochen, waren sich beide Politiker einig: Deutschland braucht eine stabile Regierung, die eine große Koalition bestehend aus SPD, CDU und CSU gewährleistet. Wenn diese aber nicht zustande kommen sollte, zögen beide die Minderheitsregierung einer Neuwahl vor. Barbara Hendricks geht allerdings davon aus, dass eine Minderheitsregierung nicht lange Bestand hätte, sodass es dann doch zu Neuwahlen käme.

Text: Maike Pollmann, Foto: Dorothea Diener,
Abteilung Wirtschaft und Verwaltung