Mo 03.12.2018

Faszination Technik

Damit das Licht angeht, konnte jeder sein eigenes Handy benutzen. Dahinter steckt die neue Technologie „IoT“, Internet der Dinge.

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Damit das Licht angeht, konnte jeder sein eigenes Handy benutzen. Dahinter steckt die neue Technologie „IoT“, Internet der Dinge.

Präzisionsarbeit mit dem KUKA-Industrie-Roboter

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Präzisionsarbeit mit dem KUKA-Industrie-Roboter

Programmieren und sofort das Ergebnis testen – Hier steuern die Jugendlichen eine Fußgängerampel.

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Programmieren und sofort das Ergebnis testen – Hier steuern die Jugendlichen eine Fußgängerampel.

Damit die Jugendlichen möglichst viel ausprobieren konnten, wurden für jeden Workshop Zeit-Schienen organisiert – ganz analog zum Abreißen.

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Damit die Jugendlichen möglichst viel ausprobieren konnten, wurden für jeden Workshop Zeit-Schienen organisiert – ganz analog zum Abreißen.

Autofahrer haben grün, die Fußgänger müssen warten. Das ist die Standardeinstellung von vielen Ampeln im Straßenverkehr. Erst wenn ein Fußgänger die Straße überqueren möchte und die Taste drückt, bekommt er grün. Beim Technik-Workshop galten am Freitag etwas andere Gesetze: Einige Jugendlichen versuchten Miniatur-Ampelanlagen fußgängerfreundlich zu programmieren, bei anderen funktionierte die Taste nicht wie gewünscht, weil der Raspberry Pi, ein winziger Hochleistungsrechner, fehlerhafte Befehle bekommen hat. Doch nach 30 Minuten haben es alle Jugendliche geschafft und die Miniatur-Fußgängerampel wechselt auf Befehl von Rot auf Grün. Der Spielzeug-Junge mit dem blauen T-Shirt kann die Straße überqueren. Was im Kleinen funktioniert, kommt im Großen an jeder Kreuzung zum Einsatz.
Die Jugendlichen der zehnten Klassen haben dies bei den Technik-Workshops des Berufskollegs Kleve live ausprobieren können. Neben der Ampelsteuerung haben sie mit einer CNC-Fräse ein Spielbrett produziert, Wärmekameras ausprobiert, einen Industrie-Roboter Befehle zum Aufräumen erteilt, eine pneumatische Sicherheitssteuerung zum Funktionieren gebracht und einen Klassenraum auf Knopfdruck vermessen. Alle Inhalte der Workshops sind Lernbereiche der Höheren Berufsfachschule für Automatisierungs-, Bau- oder Informationstechnik. Dieser Bildungsgang führt in zwei Jahren zur Fachhochschulreife. Durch den hohen Anteil an Praxis-Unterricht werden breite berufliche Kenntnisse vermittelt, die Grundlage für einen erfolgreichen Einstieg ins Studium oder in einen Ausbildungsberuf sind. „Die Workshops helfen, das abstrakte Gebilde der Höheren Berufsfachschule anschaulich darzustellen. Schließlich geht es in diesem Bildungsgang neben dem Erwerb des Schulabschlusses vor allem darum, praktisch und eigenständig mit technischen Geräten zu arbeiten, wie es die Jugendliche heute auch ausprobieren konnten. Das hilft ihnen bei der beruflichen Orientierung“, sagte André Neyenhuys, Leiter der Abteilung Technik des Berufskollegs Kleve. Er lobte das Engagement seiner Kollegen: „Alle drei Fachbereiche haben hier an einem Strang gezogen und vielfältige, interessante Workshops vorbereitet.“
Einer der beliebtesten Workshops lautete „Internet of Things“. Hinter diesem Begriff stecken Technologien, die es ermöglichen, Gegenstände via Internet zu steuern und zusammenarbeiten zu lassen. Diese werden nicht nur in Industriebetrieben eingesetzt, sondern auch im Alltag: die Heizung, die man nachmittags von der Arbeit anschaltet, damit man in ein warmes Haus kommt; das Weihnachtspaket, das man von der Auslieferung bis zur Zustellung genau verfolgen kann; oder der Drucker, der automatisch neue Druckpatronen beim Hersteller bestellt, bevor keine Tinte mehr da ist. „Neben Industrie 4.0 ist IoT das große Schlagwort in der Industrie. In Deutschland herrscht zurzeit ein großer Hype, da die Anwendungen so vielfältig sind“, erklärte Lehrer Jochen Verrieth. Industriebetriebe können so Maschinen unterschiedlicher Produktionsschritte verbinden, wodurch die Produktion optimiert, die Logistik vereinfacht, die Überwachung verfeinert und insgesamt Zeit gespart werden kann. Beim Technik-Workshop haben die Jugendlichen in 30 Minuten eine App programmiert, die es ihnen ermöglicht die Schreibtischlampe mitten im Raum über ihr Smartphone an- und auszuschalten. Dazu haben sie einen Mikrocontroller in die Lampe eingebaut, den sie über die App ansteuern können. Die App benötigte anschließend Informationen, wie sie sich zu verhalten hat und welche Befehle sie dem Microkontroller in der Lampe schicken muss. Schon nach wenigen Minuten konnten die Jugendlichen mit ihren Smartphones testen, ob ihre App funktioniert. Die Lampe reagierte sofort – an, aus, an, aus, an. Im Raum blitzte es wie an einer Lichterkette.
Auch Ole und Joris aus Goch haben die Lampe zum Leuchten gebracht. Sie wollen später gerne in der IT arbeiten und haben die Workshops genutzt, um das Berufskolleg und den Bildungsgang kennenzulernen: „Wir haben eine App programmiert und einen Roboter bedient. Das war schon cool. Die Ausstattung hier ist beeindruckend – überall stehen funktionierende Computer, Roboter oder Elektro-Schaltwände. Wir können uns gut vorstellen, nächstes Jahr hier unsere Fachhochschulreife zu machen.“ Wer sich ebenfalls für die Höhere Berufsfachschule für Technik interessiert, kann sich über www.berufskolleg-kleve.de informieren und anmelden. Eine Beratung für alle neuen Schüler findet vom 13. bis zum 23. Februar 2019 am Berufskolleg Kleve statt.

Text und Fotos: Natascha Verbücheln,
Abteilung Technik