Mo 23.04.2018

Ausflug in die Welt des Theaters

Wie bekommt man sein Gegenüber dazu, in eine Ecke zu gehen? Worte alleine reichen nicht, wichtiger ist der Wille und die Überzeugung. Das haben die Schülerinnen und Schüler im Theaterworkshop gelernt.

Bild vergrößern

Wie bekommt man sein Gegenüber dazu, in eine Ecke zu gehen? Worte alleine reichen nicht, wichtiger ist der Wille und die Überzeugung. Das haben die Schülerinnen und Schüler im Theaterworkshop gelernt.

Maxim Kurze und Madeleine Forst vom Ensemble TheaterTotal erklären den Schülerinnen und Schülern des Beruflichen Gymnasiums für Wirtschaft das Prinzip der Wirksamkeit.

Bild vergrößern

Maxim Kurze und Madeleine Forst vom Ensemble TheaterTotal erklären den Schülerinnen und Schülern des Beruflichen Gymnasiums für Wirtschaft das Prinzip der Wirksamkeit.

Rund 30 Schülerinnen und Schüler stehen bereit, um am eigenen Leib zu erfahren, was Theater und Schauspiel ausmacht. Zunächst geht es dabei um nonverbale Kommunikation. Für die Schülerinnen und Schüler heißt das: sich nach dem Alter geordnet in einer Reihe aufstellen – das jedoch ohne zu sprechen. Doch wie findet man dann heraus, wie alt das Gegenüber ist? Da hilft nur eins: Zeichensprache. Mithilfe der Hände ist ein Alter schnell dargestellt. Und so dauert es nicht lange, bis die Reihe steht. Es folgen ein zweiter und dritter Durchlauf: Aufstellen nach Schuhgröße und schließlich Aufstellen nach der Augenfarbe. Gerade bei dieser Übung zeigt sich, dass die Interaktion mit dem Gegenüber – wenn nötig auch ohne Worte – für einen Schauspieler das A und O ist.
Doch ein Schauspieler muss nicht nur die Interaktion auf der Bühne beherrschen, sein Rhythmusgefühl muss ebenfalls stimmen. Auch hierfür haben die beiden Jungschauspieler eine Übung. Dazu geben Maxim und Madeleine ein Schritttempo vor. Im Rhythmus des Laufens sprechen sie laut „Das ist mein Schritt.“ Doch bei dem einen Tempo bleibt es nicht, es kommen noch drei weitere hinzu – mal schneller, mal langsamer, doch immer im Einklang mit den Worten „Das ist mein Schritt.“ Um auch noch die Koordination der Schülerinnen und Schüler auf die Probe zu stellen, kommen Signalwörter ins Spiel: Bei „go“ sollen die Schülerinnen und Schüler anhalten, „stop“ ist das Zeichen zum Weiterlaufen; bei „jump“ sollen die Schüler in die Hände klatschen und bei „clap“ hochspringen. Kaum verwunderlich, dass sich das wesentlich schwieriger gestaltet – vor allem bei schnellerem Tempo. Doch gerade diese Übung trainiere das Rhythmusgefühl, so Maxim und Madeleine.
Die Interaktion mit dem Gegenüber und Rhythmusgefühl – so viel ist bereits klar – müssen bei einem Schauspieler stimmen. „Doch was macht einen guten Schauspieler noch aus?“, fragen Maxim und Madeleine. Kreativität und Empathie, die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinversetzen zu können und Emotionen herüberzubringen, so die Antworten der Schülerinnen und Schüler. „Alles richtig“, versichern Maxim und Madeleine, doch wollen die beiden noch auf etwas anderes hinaus: Wirksamkeit. Ein Schauspieler müsse wirksam sein, um zu überzeugen. „Gerade regelmäßige Theaterbesucher bemerken das sofort“, betonen Maxim und Madeleine. Doch was ist Wirksamkeit eigentlich? Willensstärke, eine innere Überzeugtheit, die nach außen tritt. Bei Wirksamkeit geht es darum, als Schauspieler nicht bloß eine Rolle zu spielen, sondern in ihr aufzugehen. Im besten Falle soll ein Schauspieler so überzeugt sein von seiner Rolle, dass überhaupt nicht auffällt, dass er im Grunde doch eine Rolle spielt. „Überzeugt sein, um zu überzeugen“, lautet hier das Stichwort.
Auch für die Wirksamkeit haben Maxim und Madeleine eine Übung parat. Die beiden machen es vor: Man soll sein Gegenüber dazu bringen, freiwillig in die Ecke zu gehen. Es gilt also, sein Gegenüber davon zu überzeugen, selbst in die Ecke gehen zu wollen. Leichter gesagt, als getan. Was kann da helfen? Ein Befehl vielleicht? Oder kann eine höfliche Bitte Wunder wirken? Maxim und Madeleine weisen darauf hin, dass es weniger darauf ankommt, ob man nun einen Befehl oder eine Bitte formuliert. Viel wichtiger sei es, seinem Willen überzeugt Nachdruck zu verleihen. Wenn man also möchte, dass das Gegenüber in die Ecke geht, dann reicht es nicht aus, es nur zu sagen. Am Ende des Satzes muss der Wille weiter bestehen, man muss ihn praktisch auf das Gegenüber übertragen, ihn zum anderen fließen lassen. Auch hier gilt also: Überzeugt sein, um zu überzeugen. Oder mit anderen Worten: wirksam sein.
Dies gelte nicht nur für das Theater, sondern auch im Alltag, so Maxim und Madeleine. Theater ist also mehr als nur Theater, es hält auch vieles für das Leben bereit – so die Weisheit, die Maxim und Madeleine den Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg geben.

Text: Malte Schäfer (KGYWV16B), Fotos: Stefanie Daams,
Wirtschaft und Verwaltung