So 03.12.2017

"Aufeinander zugehen statt zuzuhauen"

Szenenbild - Theaterstück: "Wir waren mal Freunde"

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Melek und Joscha versuchen ihr Vertrauen wieder zu finden, nachdem sie sich in der Jugend voneinander entfernt haben.

"Sie sollen leben, wo sie leben, aber nicht hier." Mit ihrer fremdenfeindlichen Haltung  bringt seine Schwester Joscha in ziemliche Schwierigkeiten und zwingt den 16-jährigen Pausenclown zu einer Auseinandersetzung mit seinem Leben. Denn Joscha wird verdächtigt, ein Asylheim in Brand gesteckt zu haben.  Jetzt muss seine Familie und er mit den Konsequenzen leben: Die alleinerziehende Mutter bekommt den neuen Job nicht, seine Schwester taucht unter und er muss sich den Kommentaren seiner Mitschüler stellen.  Während der Projektwoche in der Schule trifft er dann auch noch auf die gläubige Melek, einer ehemaligen Freundin, die seinen Sticheleien wegen ihrer Religion schlagfertig begegnet: "Im Kindergarten haben wir Ehre nicht gebraucht."

Blick zurück nach vorne

Das Stück „Wir waren mal Freunde“ von Karl Koch thematisiert die Bedeutung von Respekt, sozialen Werten und Achtung füreinander. Rund 400 Schülerinnen und Schüler aus allen Abteilungen haben jetzt zusammen mit den beiden Protagonisten des Stückes in die Vergangenheit von vier Freunden geblickt, die sich allmählich voneinander entfernt haben und sich nun mit Vorurteilen begegnen. Sie suchen Antworten auf wichtige Fragen des Lebens: Warum haben wir unterschiedliche Vorstellungen von Religion, Herkunft und sozialem Status entwickelt?  Was erlaubt uns, einige Menschen respektlos zu behandeln? Haben wir eine Zukunft? Joscha wird klar, dass persönliche Erfahrungen, Ängste und Vorurteile eine Rolle spielen. "Glaubst du dies, bist du toll; glaubst du das, bist du ein Opfer. Jeder sollte doch glauben, was er will. Wir sollten aufeinander zugehen statt zuzuhauen."

Rasanter Rap

Rasant und authentisch war das Spiel der beiden Schauspieler Hannah Drill und Tim Engemann, die in verschiedene Rollen schlüpften, ohne Bühne oder große Requisiten auskamen mit authentischer Umgangssprache nah an der Lebenswelt der Schülerinnen und Schülern anknüpften. Statt Antworten anzubieten, konfrontierten die beiden die Schüler am Ende mit einem eindringlichen Rap, der verschiedene Einstellungen gegenüberstellte: Feigling oder frei sein? Respekt oder Rassismus? Ehre oder Vertrauen? Im anschließenden Gespräch mit den Schauspielern haben sich die Schüler darüber Gedanken gemacht: "Man sollte sich erst einmal mit etwas auseinandersetzen, dann kann man sich viele Vorurteile sparen", sagte ein Schüler. Aber auch über den Beruf des Schauspielers, die Bedeutung der Requisiten und der gemeinsamen Zukunft von Melek und Joscha sprachen die Schauspieler mit den Jugendlichen.

Text: Natascha Verbücheln, Foto: Dominik Welbers,
Berufskolleg Kleve