So 15.04.2018

Anschlussperspektiven für junge Flüchtlinge

Netzwerktreffen Anschlussperspektive für Flüchtlinge

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Rund 30 Vertreter von Behörden, Maßnahmenträgern und dem Berufskolleg Kleve haben am Netzwerktreffen teilgenommen. Hauptthema war die Frage, wie junge Flüchtlinge zwischen 18 und 25 Jahren stärker gefördert werden können.

Wenn junge Flüchtlinge nach Deutschland kommen, führt der erste Weg oft in die Schule. Hier lernen sie vor allem Deutsch, aber auch Mathe, Politik, Englisch oder EDV. Nach zwei Jahren endet der Anspruch auf Deutschförderung. Die jungen Flüchtlinge verlassen die Schule und müssen sich neu orientieren - in der Ausbildung, der Erwerbstätigkeit oder in einer staatlich geförderten Maßnahme. Das Angebot ist vielfältig, aber die Voraussetzungen und Bedingungen sind für die jungen Erwachsenen oft nicht leicht verständlich. Um die Schüler besser beraten zu können, hat die Abteilung Basis- und Ausbildungsvorbereitung des Berufskollegs Kleve zu einem Netzwerktreffen eingeladen. Vertreter der kommunalen Jobcenter, der Agentur für Arbeit, der Ausländerbehörde und der Maßnahmenträger wie Theodor-Brauer-Haus, SOS-Kinderdorf Niederrhein, Internationaler Bund und Bildungszentrum des Baugewerbes haben über Anschlussmöglichkeiten informiert und Erfahrungen ausgetauscht. "Das ist eine unglaublich komplexe Thematik, aber ich glaube, es haben alle etwas mitgenommen und interessante Kontakte geknüpft", freute sich Heide Wieting, Leiterin der Abteilung Basis- und Ausbildungsvorbereitung am Berufskolleg Kleve. In den sieben Internationalen Klassen lernen zurzeit 115 junge Flüchtlinge zwischen 16 und 25 Jahren.
Viele der Schüler am Berufskolleg wünschen sich laut Bildungsgangleiterin Aytug Heper nach der Schule eine betriebliche Ausbildung zu beginnen, um eigenständiger zu werden und eine langfristige Perspektive in Deutschland zu erhalten. Am Berufskolleg absolvieren die Schüler der Internationalen Förderklassen Betriebspraktika, die als Türöffner fungieren, weiß Schulsozialarbeiterin Marianne Rehaag. Im vergangenen Jahr haben 14 Schülerinnen und Schüler im Anschluss an die Praktika eine Ausbildung begonnen, sogar ein Schüler ohne Schulabschluss. Doch nicht alle finden nach dem Besuch der Internationalen Klasse sofort einen Ausbildungsplatz, da die Sprachkenntnisse nicht ausreichend sind oder ein Schulabschluss gefordert wird. "Junge Flüchtlinge haben keine Lobby. Sie befinden sich in einer speziellen Lebenssituation. Wir müssen hier eine Begleitung hinbekommen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir heute darüber sprechen", sagte Gertraud Gleichmann, die Integrationsbeauftragte in Bedburg-Hau. Im Moment gibt es zwar Einstiegsangebote, die aber abhängig vom Herkunftsland gewährt werden.  Christian Parnitzke von der Agentur der Arbeit würde es begrüßen, diese Angebote für weitere Gruppen von Geflüchteten zu öffnen.
Schwieriger ist es für junge Erwachsene, die die Schule ohne Schulabschluss und geringen Deutschkenntnissen verlassen. Je nach Herkunftsland und Aufenthaltsstatus greifen hier nur bestimmte Maßnahmen, um die sich die Flüchtlinge selbst bemühen müssen. Hier durchzublicken, ist schwierig. Anlaufstellen sind die Jobcenter der Kommunen und die Integration Points der Agentur für Arbeit. Die Beratung informiert über mögliche Maßnahmen, die der Sprachförderung und/oder Berufsorientierung dienen - von Integrationskursen über Berufswahltrainings bis zu Praktika, die auf eine spätere Ausbildung angerechnet werden können.  Bei den Maßnahmen der Jobcenter gelte "das Prinzip des Forderns und Förderns" (Stephan Tauchmann, Jobcenter Kreis Kleve), während die Angebote der Arbeitsagenturen freiwillig seien.
Kaum Angebote gibt es dagegen für junge Geflüchtete, die bei ihrer Einreise bereits 18 Jahre alt sind. Für sie ist der Zugang zur Schule stark eingeschränkt; Vorrang haben hier vorübergehende Maßnahmen oder Sprachkurse. Daher gibt es am Berufskolleg eine so genannte "Fit für mehr"-Klasse, in denen zurzeit 17 Schüler zwischen 18 und 25 Jahren für ein Jahr unterrichtet werden.

Text und Foto: Natascha Verbücheln,
Abteilung Basis- und Ausbildungsvorbereitung